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  • Smartphones, die Geheimniswahrer

    Natalie Stolle

    Die Komödie „Das perfekte Geheimnis“ thematisiert gut gehütete Geheimnisse unter Freunden und Partnern. Dank Smartphones kommen mehr Geheimnisse ans Licht, als den Besitzern lieb ist.

    Wie viel wissen unsere Freunde, unsere Partner wirklich von uns? Wie viel wissen jedoch unsere anderen Lebensbegleiter, die Smartphones, von uns? Diesen Fragen geht der Film „Das perfekte Geheimnis“ von „Fack-Ju-Göthe“-Macherin Bora Dagtekin eingängig nach. Bereits 2016 erschien die italienische Vorlage „Perfetto Scomosciuti“, die mehrfach neu produziert wurde. „Das perfekte Geheimnis“ liefert nun das deutsche Pendant mit einigen Abwandlungen.

    Ein eigentlich ruhiger Abend beim gemeinsamen Essen und einer Mondfinsternis bringt vier Freunde aus der Schulzeit samt ihren Freundinnen an einen Tisch. Lediglich eine Freundin bleibt dem fern, somit finden sich drei Frauen und vier Männer in dem luxuriösen Apartment zusammen. Drei Beziehungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, offenbaren sich am Esstisch. Und ein Single, der als seltsamer Einsiedler abgestempelt wird.

    Die ersten unerwarteten Nachrichten bei Carlotta (Karoline Herfurth) und Leo (Elyas M´Barek).

    Ein Vorschlag, der sich zunächst mehr nach „Wahrheit oder Pflicht“ anhört, eröffnet ein Spiel, bei dem ausschließlich alle Smartphones auf den Tisch gelegt werden und jede Nachricht vorgelesen, jeder Anruf über Lautsprecher öffentlich geteilt wird. Nicht alle sind erfreut über diesen Vorschlag, doch unter dem Gruppenzwang geben sie sich schließlich alle geschlagen. Lange bleiben die Nachrichten und Anrufe harmlos, doch die so mühselig aufrecht gehaltenen höflichen Mienen brechen zunehmend langsam auf.

    Je weiter der Abend voranschreitet, desto schneller wird klar, dass keine Beziehung und keine Freundschaft an diesem Tisch wirklich auf Ehrlichkeit beruht. Und dass nun, da die Handys alle zehn Minuten neue Geheimnisse ausspucken, vieles aufgedeckt wird, womit anscheinend keiner gerechnet hat. Sei es eine geplante Brustvergrößerung, eine Therapie, ein fragwürdiger Beruf oder aber eine nicht ganz so feststehende Sexualität.

    Nicht alle amüsieren sich über die Geheimnisse, die ans Licht kommen.

    Was den Film vor allem unterhaltsam macht, sind die Dialoge, die oft wie aus dem Leben gegriffen wirken. Die Schauspieler harmonieren sehr gut zusammen, sodass jeder schnell in den Film hineinfindet. Einige Handlungsstränge sind zwar vorhersehbar, aber dennoch schafft der Film es immer wieder mit vielen humorvollen Momenten etliche Lacher hervor zu rufen. Aber es wird versucht dabei nicht nur an der Oberfläche zu kratzen. Einer der großartigsten Momente ist zweifelsohne ein Telefonat zwischen Rocco (Wotan Wilke Möhring) und seiner langsam erwachsen werdenden Tochter, das einen fast schon sehnsüchtig an die eigenen Pubertät denken lässt, in der sich wohl jeder einen so einfühlsamen Vater gewünscht hätte. Doch auch der Moment, in dem langjährige Freunde jede Einfühlsamkeit über Bord werfen und ihre homophoben Ansichten Preis geben, lässt einen nachdenklich werden. Immer wieder kommt in einem selbst die Frage auf wie die eigenen Freunde reagieren würden, wenn gut gehütete Geheimnisse ans Licht kommen würden.

    Letztendlich spricht der Film viele gesellschaftlich relevante Themen wie berufstätige Mütter und Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Liebe an. Es ist sehr schade, dass das Ende der Story so viel von dem gesellschaftskritischen Potenzial abmildert und versucht eher dem Hollywood-Klischee eines Happy Ends nachzugehen. Doch, wenn wir dann das Kino verlassen und das Handy wieder aus der Tasche ziehen, lässt es uns zumindest kurz innehalten, während wir uns fragen, wer wohl mehr über uns weiß. Unsere Freunde oder ein metallischer Gegenstand?

    Ab 31. Oktober im Kino

     

    Fotos: Constantin Film

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