• Kultur
  • Liebe über den Tod hinaus

    Pia Benthin

    Klassisch und eindrucksvoll: Am 5. Oktober feierte Richard Wagners „Tristan und Isolde“ Premiere in der Oper Leipzig, ein Schritt in Richtung Wagner 22.

    Nach „Der fliegende Holländer“ und Teilen des „Ring der Nibelungen“ zieht nun ein weiteres Stück Richard Wagners in das Repertoire der Oper Leipzig ein. Am 5. Oktober feierte „Tristan und Isolde“ Premiere und wird noch bis Sommer 2020 im Konzerthaus aufgeführt. Dies ist Teil des Plans des Intendanten und Generalmusikdirektoren Ulf Schirmer, bis Sommer 2022 alle 13 Opernwerke des Komponisten aufzuführen und sie bis dahin in das Repertoire aufzunehmen. Während der Opernfesttage Wagner 22 wird es möglich sein, alle Wagner-Opern innerhalb von drei Wochen zu bestaunen.

    „Tristan und Isolde“ wurde 1865 uraufgeführt und stellt eine Handlung in drei Aufzügen dar. Mit einer Aufführungsdauer von knapp fünf Stunden ist dieses Stück eher etwas für hartgesottene Opernfans. Auch sollte man sich die Vorgeschichte zuführen, bevor man im Opernsessel platznimmt, sonst wird das Verstehen trotz deutscher und englischer Übertitel schwer. Klassisch für Wagner, ist die Oper auf Deutsch, jedoch durch altes Vokabular nicht immer leicht zu verstehen.

    Die Herren des Chores der Oper Leipzig beeindrucken als singende Seemänner.

    Der tapfere Engländer Tristan (Daniel Kirch) tötet im Kampf den Verlobten von Isolde (Meagan Miller), der irischen Königstochter. Da er selbst schwer verwundet ist, will er sich in Irland versorgen lassen und wird von Isolde gefunden, welcher er sich mit falschem Namen vorstellt. Obwohl sie in „Tantris“ den Mörder ihres Verlobten erkennt, nimmt Isolde keine Rache und verliebt sich schließlich in ihn. Als Tristan gesundet, kehrt er nach England zurück, sucht Isolde aber bald darauf auf, um sie als Braut für seinen Onkel König Marke (Sebastian Pilgrim) zu werben. Auf der Schiffsreise nach Cornwall zu König Marke schmiedet Isolde den Plan, mit Tristan zu sterben, da sie sich von ihm verraten fühlt. Sie erzählt ihrer Zofe Brangäne (Barbara Kozelj) davon und bittet sie um den Todestrank, welchen Isoldes Mutter zusammen mit anderen Zaubertränken nach ihrem Tod zurückgelassen hat. Brangäne bringt den Mord jedoch nicht übers Herz und verabreicht Tristan und Isolde stattdessen einen Liebestrank.

    Isolde (Meagan Miller) beichtet ihrer Zofe Brangäne (Barbara Kozelj) ihren Herzschmerz.

    Die Handlung stützt sich auf den keltischen Sagenkreis um König Artus und Tristan, erinnert an so manch tragisch-romantischer Stelle eher an „Romeo und Julia“, ohne zu viel vorwegzunehmen. Die fünfstündige Liebesgeschichte kann selbst wahren Romantiker*innen lang erscheinen. Jedoch ist die Oper durch die beeindruckende Inszenierung von Enrico Lübbe zusammen mit dem Bühnenbild von Étienne Pluss nicht langweilig. Kunstvoll nutzt Olaf Fresse Licht, um das Spiel zwischen Leben und Tod zu inszenieren. Die Drehbühne bringt Bewegung in die Handlung, welche hauptsächlich an Bord des Schiffes und am Hof König Markes spielt. Dieser, dargestellt von Sebastian Pilgrim, ist das Highlight der Aufführung. Pilgrim überzeugt mit starkem Bass und sicherem Schauspiel. Aber auch Meagan Miller und Daniel Kirch singen kraftvoll durch das ganze Werk.

    „Tristan und Isolde“ ist ein wahrer Klassiker, jedoch sicher nichts für Opern-Anfänger*innen. Trotz der wenigen Figuren ist es oft verwirrend und durch die schiere Länge kann die Aufmerksamkeit schon mal schwinden. Die Inszenierung und die Darsteller*innen machen das Opern-Erlebnis jedoch zu einem ganz besonderen, was man so klassisch im Werk und doch modern in der Umsetzung nicht überall finden kann. Anders als bei anderen Vorstellungen in der Oper Leipzig, war hier das Publikum eher älter und Abendkleid und Anzug überwogen.

    Wagner-Fans kamen auf ihre Kosten, auch wenn man sich bei einem Komponisten mit klaren antisemitischen Statements gerade heute fragen sollte, wie angebracht das Aufführen der Werke noch ist. Schließlich schrieb Wagner 1850 den antisemitischen Aufsatz „Das Judenthum in der Musik“ und nicht zuletzt war Adolf Hitlers Lieblingsoper „Rienzi, der Letzte der Tribunen“, ebenfalls aus der Feder des Komponisten. In „Tristan und Isolde“ findet sich diese Seite des Musikers allerdings nicht. Rein musikalisch ist Wagner zudem aus keinem Repertoire wegzudenken und die Oper Leipzig verwandelt seine Werke in sehens- und hörenswerte Inszenierungen.

     

    Fotos: Tom Schulze

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