• Leipzig
  • Ein lauter Kongress für eine leise Krankheit

    Lisa Bullerdiek

    Beim fünften Patientenkongress Depression an diesem Wochenende in Leipzig konnten Betroffene und Angehörige Erfahrungen austauschen und auf Verständnis hoffen.

    Eigentlich war es ein Kongress wie jeder andere. Es war laut, überall standen kleine Flaschen mit Saft und Wasser herum und aufgeregte Menschen stürzten sich auf gratis Giveaways. Nachdem sich aber alle im großen Saal des Gewandhauses gesetzt hatten und die Handys eilig leise gestellt wurden, war dennoch eine besondere Stimmung zu vernehmen.

    Daniel, ein Teilnehmer des Kongresses, sagte dazu im Nachhinein: „Ich hätte weinen können.“ Denn alle Menschen, die am 21. und 22. den fünften deutschen Patientenkongress Depression besuchten, verband etwas. Sie selbst oder ihre Angehörigen leiden an der Krankheit Depression, bei allen hat sie auf die eine oder andere Weise das Leben geprägt. In dem ausverkauften Saal waren sie auf einmal nicht mehr allein damit.

    Prominente Botschafter*innen setzen sich für die Depressionshilfe ein.

    An diesen Tagen konnten Vorträge zu verschiedenen Themen angehört werden. Mal sprachen Wissenschaftler*innen über Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten, mal schilderten Betroffene ihre Erfahrungen. Unter anderem redete Walter Kohl, der Sohn von Helmut Kohl, über den Suizid seiner Mutter und sein Engagement in der Depressionshilfe. Weitere prominente Botschafter*innen waren Thorsten Sträter und Victoria van Violence. Im Foyer des Gewandhauses hatten außerdem zahlreiche Organisationen Stände aufgebaut. Am Abend des 21. September verlieh die Deutsche Depressionshilfe ihren vierten Medienpreis. Im Zentrum standen diesmal vor allem Formate, die Kindern diese Krankheit erklären. So gewannen eine Folge der Sendung mit der Maus und eine weitere Sendung von KiKA.

    Harald Schmidt moderierte den Kongress.

    Trotz der ernsten Themen herrschte nicht andächtige Stille. Nach Harald Schmidts Anmoderation gab es zuerst einmal Musik. Die Teilnehmer*innen trommelten gemeinsam mit sogenannten Boomwhakern, hohlen, bunten Plastikröhren, die viele zunächst für nicht besonders hilfreiche Fernrohre hielten. Passend zu dem Motto des diesjährigen Kongresses: „Den Betroffenen eine Stimme geben“ und durch die Musik, so wurde der Leiter der Percussionband nicht müde zu betonen, ließen sich ohnehin viele Lektionen für den Kampf gegen diese ernste Krankheit lernen: Zusammenarbeit, Stabilität und Unterstützung zum Beispiel.

    Nach den ersten Vorträgen erzählten die Besucher*innen Christine und Daniel von ihrem Kampf gegen eben diese Krankheit und was der Kongress, an dem 1.300 Menschen teilnahmen, für sie bedeutet. Manchmal, so sagten sie, fühlten sie sich wie Kaugummi am Boden, heute jedoch als wären sie nicht alleine mit dieser Krankheit, die in Deutschland 5,3 Millionen Menschen betrifft. Vielleicht sind die Vorträge oder die vielen Aufsteller nicht das, was am Ende zählte, sondern eben das: In einem voll besetzten Saal zu sitzen und einmal nicht gegen das Stigma der Erkrankung kämpfen zu müssen.

     

    Fotos: Deutsche Depressionshilfe

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