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  • „Lari Luke ist ein Teil von Larissa“

    Pia Benthin

    Vom Neo Magazin Royale auf die Bühne vom Lollapalooza. Larissa Rieß a.k.a. Lari Luke im Interview

    Larissa Rieß ist Radiomoderatorin, Schauspielerin, Ensemblemitglied beim Neo Magazin Royale und als DJane Lari Luke unterwegs. Anfang September spielte die gebürtige Ecuadorianerin auf dem Lollapalooza in Berlin auf der Perry’s Stage. luhze-Redakteurin Pia Benthin traf die 31-Jährige nach dem Act auf dem Festivalgelände. Während sie über den Auftritt, Lari Luke und Erfolge als DJane sprachen, dröhnte der Bass vom nächsten Act aus dem Olympiastadion. Am 6. September ist ihr erster Song „Lose It“ zusammen mit Karol Tip erschienen. Im Herbst geht Rieß auf Tour und spielt am 16. November in der ausverkauften Distillery in Leipzig.

    luhze: Wie lief der Auftritt vorhin auf dem Lollapalooza?

    Larissa Rieß: Es war sehr, sehr schön und wirklich krass, dass so früh schon so viele Leute da waren (Der Auftritt war der erste am Sonntag und begann um 11 Uhr, Anm. d. Red.). Es ist einfach, während der Primetime auf eine Stage zu gehen, da sind immer Leute da. Doch du weißt nie, ob die für dich da sind oder den Künstler danach. Hier war ganz klar: Die Leute, die so früh aufgestanden sind, waren nur für mich da und das ist was ganz Besonderes. Das ist eigentlich noch wichtiger, als auf eine Stage zu gehen, wo eh Leute sind und die DJs vor mir schon die ganze Arbeit gemacht haben. Ich musste die halt erstmal richtig warm kriegen. Obwohl man sagen muss, dass die von Anfang an am Start waren. Der Slot war einfach cool, weil es die Perry’s Stage ist. Das ist Lollapalooza. Dass ich überhaupt einen Slot habe, ist krass. Ich habe mir gestern hier Scooter angeguckt und dachte mir nur so: „Krass, morgen spiele ich da.“

    Du legst unter dem Namen Lari Luke auf. Wer ist das und was ist der Unterschied zwischen Lari und Larissa?

    Lari Luke ist ein Teil von Larissa. Wir haben alle verschiedene Persönlichkeiten in uns drin. Man redet ja mit dem Dozenten anders als mit der Freundin in der Bar. Als Lari Luke kann ich mich ausleben und Emotionen rauslassen, da entfalte ich mich. Das kann ich als Larissa nicht, wenn ich mittags einkaufen gehe. Dieser Teil muss einfach ausbrechen. Der Name ist im Fahrstuhl entstanden, ich hatte einen DJ-Gig und brauchte einen Namen. Larissa. Lari. Lari Luke. Ich war im sechsten Stock angekommen und der Name stand. Außerdem hat mein Vater immer Lucky Luke geschaut. Das passt einfach. In meinem Styling bin ich einfach in der Grundschule stehengeblieben und hab mich nicht weiterentwickelt, aber man kann ja nicht immer wie eine Verrückte rumlaufen. Deshalb liebe ich es, dass ich das als Lari Luke ausleben kann. Ich versuche nicht, einen fixen Stil zu fahren, damit man mich wiedererkennt, dafür sind die Zöpfe da und mittlerweile die Musik.

    Während des Interviews dröhnt der Bass von der Stage weiter. Direkt vor uns hat Larissa ein Interview mit m-tv geführt, nach diesem war heute Feierabend bei ihr. (Foto: privat)

    Wie würdest du deine eigene Musik beschreiben?

    Ich mache einfach Bass-Musik. Bass, das kann man im House haben, Bass-House, aber es gibt zum Beispiel auch Future-Bass, das was Flume macht. Alles, was diese bestimmte Art von Bass hat, die auch im Dubstep zu finden ist, kommt in mein Set. Deswegen klingt alles nach Lari Luke, auch wenn das Set viele verschiedene Genre enthält.

    Woher nimmst du deine Inspiration und wie gehst du dann vor?

    Ich gucke mir wahnsinnig oft andere Künstler an, einfach was die DJs in Amerika, Australien, Neuseeland so spielen. Ich sehe irgendwo einen geilen Übergang und denke, das könnte ich auch mal machen. Ich lasse mich nun auch viel von Live Gigs inspirieren, das habe ich früher weniger gemacht. Aber live ist eben doch immer was anderes.

    Manchmal denkt man, etwas zieht nicht so gut. Dann sehe ich einen anderen Künstler, der das spielt und denke mir nur: „Fuck, warum bin ich nicht darauf gekommen?“ Ich bin einfach sehr fleißig. Wenn irgendwo ein Song läuft, muss ich direkt ein Mixtape draus machen. Mit einer Idee im Kopf produziere ich auch mal den ganzen Tag. Das geht natürlich nicht immer. Wenn ich fürs Neo Magazin was mache, muss ich auch mal um 5 Uhr aufstehen oder für meine Radiosendung nach Köln fahren. So einen richtigen Alltag habe ich gar nicht, aber ich glaube auch, dass das für mich wichtig ist.

    DJ oder DJane – Larissa Rieß findet beides okay. Meist benutzt sie aber DJ, „weil es einfach cooler klingt“. (Foto: Pia Benthin)

    Wenn du so viel unterwegs bist, was bringt dir einen Ausgleich und was ist Heimat für dich?

    Der beste Ausgleich für mich ist zuhause zu sein und nichts zu tun. Andere sagen meist, sie brauchen Urlaub und müssen wegfliegen, aber das ist mir viel zu stressig. Mein Ausgleich ist zuhause auf der Couch nichts machen, fernsehen und meinen Hund streicheln. Vor allem nach solchen Gigs wie heute muss ich mich dazu zwingen, nichts zu tun. Ich finde es auch gut, wieder in Heidelberg zu wohnen, dahin bin ich ja zurückgezogen. Das ist sehr entspannt, weil die Stadt nichts mit Arbeit zu tun hat. Durch meine vielen Umzüge ist Heimat einfach da, wo meine Familie ist, meine Tiere und mein Mann, auch wenn das kitschig klingt. Ich kann mir jede Stadt zur Heimat machen. Im Moment eben Heidelberg, was passt, weil ich da schon lange gewohnt habe. Aber vielleicht ist es auch irgendwann woanders.

    Bald geht es für dich ja auch auf Tour. Wie ist es, zu sehen, dass man mit dem, was man macht, Erfolg hat?

    Das ist überwältigend. Deutschlandweit ist die Tour ausverkauft, nur noch Wien fehlt. Es war für mich echt schwer, gebucht zu werden, weil viele dachten, ich bekomme den Laden nicht voll. Aber ich habe ihn immer voll bekommen. Es war ein Kampf, vor allem weil meine Musik was Neues ist und kein Mainstream. Aber die Leute kommen wirklich der Musik wegen. Das Schöne an der Tour ist auch, dass es ein Lari Luke-Ding ist, kein riesiges Festival. Wir feiern eine WG-Party und darauf freue ich mich.

     

    Hinweis der Redaktion: Das Gespräch drehte sich außerdem um Frauenquoten auf Festivals und Frauen in der Musikszene generell, die Fragen und Antworten dazu wurden vom Management jedoch nicht autorisiert.

     

    Titelbild: Pia Benthin

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