Ungeteilte Solidarität

Leonie Asendorpf

Am Samstag fand in Dresden eine der größten Demonstrationen seit dem Mauerfall statt. Etwa 40.000 Menschen gingen friedlich gegen den Rechtsruck und für Solidarität auf die Straße.

Der Bahnsteig im Leipziger Hauptbahnhof ist voll. Jung und Alt steigen mit Demoschildern in den Zug nach Dresden, sitzen teilweise auf dem Gang. Sie sind auf dem Weg zur Großdemonstration des bundesweiten antirassistischen Aktionsbündnisses Unteilbar.

Angemeldet waren 25.000 Menschen. Laut Veranstalter*innen waren es am Ende aber etwa 40.000 Teilnehmer*innen, die gegen Rassismus und für Solidarität auf die Straße gingen. Michael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen (CDU) hatte im Vorhinein angekündigt, wegen Anwesenheit der Antifa und Befürworter*innen der Seenotrettung im Mittelmehr nicht an der Demo teilzunehmen. Auch sonst waren keine Mitglieder der CDU anwesend.

Angekommen in Dresden wird man von wummernden Bässen, vielen Menschen und einer Menge AfD-Wahlplakaten begrüßt. Diese sollen laut Aussagen eines Unteilbar-Pressesprechers gezielt in der Nacht vor der Demonstration entlang der Route aufgehangen worden sein. Die weiter unten hängenden Plakate werden im Verlauf der Veranstaltung runtergezogen und liegen zerrissen auf dem Boden. Die meisten bleiben jedoch hängen – widersprüchlich zum sonstigen Bild und den antirassistischen und antisexistischen Forderungen der Demonstration. Auf einem der Wahlplakate sind beispielswiese drei Frauen in Trachten-Kleidern zu sehen. Darunter steht: „Burka? Ich steh mehr auf Burgunder“.

Mit Redebeiträgen und Musik startete die Auftaktkundgebung um 13 Uhr auf dem Altmarkt im Zentrum Dresdens. „Wir überlassen der AfD nicht die Straßen und Parlamente!“, ruft Gabi Engelhardt von der Initiative Aufstehen gegen Rassismus ins Mikro. Die Alternative heiße Solidarität und nicht Ausgrenzung. Anschließend erzählt Hanna, eine der Sprecher*innen der Interventionistischen Linken von der Blockade gegen die Abschiebung eines jungen Syrers Mitte Juli in Leipzig. Diese Abschiebung aufzuhalten ist nicht gelungen, der „Kiez“ habe sich aber nun vorgenommen, alle weiteren Abschiebungen in der Nachbarschaft zu verhindern. „Das Problem sind nicht die Leute in den Schlauchbooten, sondern die in den Limousinen.“

Ganz vorne bei der Demo läuft der Unteilbar-Block.

Um circa 14 Uhr setzt sich der Demozug in Gang. An der Spitze läuft der Unteilbar-Bündnis-Block mit den Gesamt-Forderungen auf großen Bannern. Hinter diesem reihen sich zwölf weitere thematische Blöcke ein. Die Stimmung ist entspannt und friedlich. Ein paar hundert Meter weiter an der Ecke Wilsdrufferstraße und St. Petersburger Straße hängen vermummte Aktivist*innen beschriftete Banner von einem Hochhaus. „Bewohnen. Beleben. Besetzen. Erstreiten“ steht darauf. Die Demoteilnehmer*innen jubeln ihnen zu. Kurz später werden die Banner jedoch von der Polizei wieder abgehängt.

Die spezifischen Forderungen der einzelnen Initiativen und Gruppen unterscheiden sich. Hinter den Gesamtforderungen des Unteilbar-Bündnisses stehen jedoch alle: gegen einen Rechtsruck in Sachsen, Brandenburg und Thüringen, gegen Ausgrenzung und für eine solidarische Gesellschaft.

Vermummte Aktivist*innen hängen Banner von einem Wohnhaus.

Der zweite und wohl größte Block ist der „Parade-Power-Block: United against Racism & Fascism – Solidarität verteidigen!“. Dieser wurde unter anderem von We’ll come united, dem Tribunal NSU-Komplex auflösen und der Initiative Nationalismus ist keine Alternative organisiert. Mit großen schwarz-weiß-Bildern wird an die Opfer der rechtsextremen Terrororganisation NSU erinnert. Ansonsten ist der Block sehr gemischt. Von Antifas über Omas gegen Rechts, dem Verein Initiative für Schwarze in Deutschland, Mission Lifeline, Aufstehen gegen Rassismus und dem sächsichen Flüchtlingsrat rufen alle: „Yalla Yalla Antifaschista!“

Etwa eine dreiviertel Stunde nach Demobeginn ist der Anfang des Demozugs bereits auf der gegenüberliegenden Albertbrücke angekommen und die Teilnehmer*inen können sich über die Elbe zuwinken, und das bevor nicht mal die Hälfte des gesamten Demozugs auf der Carolabrücke angekommen ist.

Es folgen der Block zu Sozialem und Vielfalt, der queer-feministische Block, die Mitglieder des #wannwennnnichtjetzt-Bündnisses, ein Block gegen das Polizeigesetz, ein Kultur- Wissenschafts- und Bildungsblock, Gewerkschaften und der Gesundheitsblock. Außerdem laufen verschiedene christliche Vereinigungen unter dem Motto „Glaube statt Misstrauen“ mit. Zum Schluss kommen noch die Parteien SPD, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN, die Piraten, Humanisten und DIE LINKE.

Auf dem Weg zur Endkundgebung auf der Cockerwiese machen Klima-Aktivist*innen von unter anderem Fridays for Future, extinction rebellion, Ende Gelände und Greenpeace noch eine spontane symbolische Sitzblockade mit anschließendem Sprint.

Mit Essen einer Küfa (solidarische Küche für alle) und Live-Musik, etwa von der Dresdner Brassband Banda Internationale und Silbermond, endet die Veranstaltung.

Bildergalerie zur Unteilbar-Demo in Dresden

Die Auftaktkundgebung am Altmarkt
Nicht nur der Solidarity-Block ist bunt.
Auch ein feministischer Block schließt sich mit an.
Mit Schaumstoffkostümen wird die Polizei auf die Schippe genommen
Die zehn Mordopfer des NSU
Protest gegen das neue Poilzeigesetz
Von den Schultern aus kann das Kind das andere Ende der Demo auf der gegenüberliegenden Brücke sehen.
Auch die Omas gegen Rechts waren dabei.
Antirassistischer Protest
Auf dem Lautsprecherwagen für Bildung sind auch Mitglieder des Leipziger StuRa dabei.
Gute Stimmung beim Abschluss auf der Cockerwiese
Die Dresdner Brassband Banda Internationale engagiert sich regelmäßig gegen Rassismus.

Fotos: Annika Seiferlein

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