• Sport
  • Leistungssport ganz lässig

    Theresa Moosmann

    Benjamin Schmidt spielt seit fünf Jahren mit Herz und Seele für den Regionalligisten BSG Chemie Leipzig. Langfristig plant er jedoch eine Karriere im Klassenzimmer.

    Spagat zwischen Studium und Sport

    Teil 6 unserer Online-Reihe Spagat

    „Ein Kind sollte man niemals schlafen legen“ – diesen unkonventionellen Satz hat Benjamin Schmidt zu seinem Lebensmotto erklärt. Er spricht dabei über sein eigenes, inneres Kind. „Erwachsenwerden ist nichts durchweg Positives“, sagt der 29-Jährige und überlegt, bevor er weiter spricht. Wer erwachsen ist, bleibe eher in seiner Komfortzone. Benjamin will sich die Lust, Neues zu entdecken, aber unbedingt bewahren.

    Seit 2014 spielt Benjamin in der Abwehr des frischgebackenen Regionalligisten BSG Chemie Leipzig. Zuvor trat er für andere Leipziger Vereine auf die hiesigen Rasenflächen. Nebenher studierte er zunächst Philosophie im Bachelor, was er sich für sein anschließendes Studium Sport und Ethik auf Lehramt anrechnen ließ.

    Fußballerisch, aber auch menschlich, ist der Abwehrspieler ein echtes Leipziger Gewächs. Als Teenager spielte er zwar bereits in der Jugend-Nationalmannschaft, doch für eine Karriere im Profisport hätte er in den Westen gehen müssen. Das tat er nicht, machte in Leipzig sein Abitur und blieb bis heute der Messestadt treu. Doch nicht nur die Liebe zur Stadt Leipzig hat ihn davon abgehalten: „Ich will nicht mein ganzes Leben lang nur mit Sport zu tun haben“, erzählt er. Er will später auch mal freie Wochenenden genießen können, zumal eine Karriere im Sport gezwungenermaßen nicht unendlich ist.

    Wenn er sein Leben nach Prioritäten sortieren müsste, stünde die Uni an Platz eins, der Fußball kommt an zweiter Stelle. Auf dem Sportplatz zählt für ihn der Ehrgeiz, aber im Leben sind andere Dinge wichtig. „Wie soll ich das beschreiben“, fängt Benjamin an. „Das Spiel ist schnell. Das sind 90 Minuten, in denen es nur ums Gewinnen geht. Im Beruf geht es darum, eine Lebensbasis zu schaffen, auf der man später zufrieden arbeiten kann. Damit man nicht irgendwann durchdreht.“

    Rappen statt Rollrasen -Benjamin Schmidt (rechts) macht auch Musik. (Foto: Christian Donner)

    Wenn Benjamin von der BSG spricht, von „seinem“ Verein, klingt aus seiner Stimme aber vor allem echte Begeisterung und Leidenschaft. Fußball ist sein Ausgleich zum Studium. Die Erfahrung von Mannschaft, von Zusammenhalt der Fans und der Spieler, das ist eine seiner Welten. Generell geht es ihm immer um Ausgleich. Es mache ihm Spaß, seinen Blick für Menschen immer wieder zu erweitern, sich Neues zu erschließen. Deshalb hört sein Interessensfeld nicht hinter Hörsaal und Fußballplatz auf, sondern reicht noch weiter: Die Musik steht in Benjamins Prioritätenliste auf dem dritten Platz. Der 29-Jährige textet gern, hat sich gemeinsam mit einem Freund ein Plätzchen in der Leipziger Rap-Szene erschlossen. Unter dem Namen „Benniez“ rappt er unter anderem über seinen Herzensverein Chemie, der für ihn so viel mehr ist als nur Ort des Leistungssports und Arbeitgeber.

    Es sei selten schwierig gewesen, alles unter einen Hut zu bekommen, sagt der Abwehrspieler. Ein wenig mulmig ist ihm trotz seiner Lässigkeit, wenn er an den Abschied aus dem Profifußball denkt. Er sei fast 30, und trotz keiner schlimmen Verletzung wird er sich zunehmend dem – wenn auch langsam – nahenden Ende seiner Sportkarriere bewusst. Es wird eine große Veränderung sein, da ist er sich sicher.

    Doch er studiert nun, um nach Auslaufen seines letzten Vertrages nahtlos in das Berufsleben eines Oberschullehrers wechseln zu können. „Ich werde weiterhin im Verein aktiv sein. Und vielleicht kommen dann auch Aufgaben, die mir das Gleiche geben können“, schlussfolgert er. „Eine Frau und Kinder zum Beispiel.“

     

    Titelbild: Christian Donner

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