• Leipzig
  • „Geradlinig, authentisch und mit der nötigen Prise Humor“

    Pia Benthin

    Nach fünf Jahren im Leipziger Stadtrat tritt Michael Weickert von der CDU für den Landtag an. Das Steckenpferd des Studenten ist Bildung.

    „Geradlinig, authentisch und mit der nötigen Prise Humor“, so beschreibt Michael Weickert seine Politik. Der 29-Jährige tritt für die CDU im Landtagswahlkampf an. Für seinen Wahlkreis 7, der die Stadtteile Lindenau, Altlindenau, Neulindenau, Leutzsch, Böhlitz-Ehrenberg und Burghausen-Rückmarsdorf umfasst, sitzt er auch ab dieser Wahlperiode wieder im Stadtrat, wo er 2014 als damals jüngster Stadtrat mit 24 hineingewählt wurde. Das Gefühl, der Jüngste zu sein, kennt Weickert gut. Mit 14 ist er in die Junge Union eingetreten, mit 17 war er dort Stadtverbandsvorsitzender. Damals wie heute ist er in der Politik, weil er etwas verändern wolle, aber er sei auch einfach ein „politischer Mensch“. Was ihn schon immer geprägt habe: dass er nicht links sei und sein Vorbild Friedrich Merz.

    In einem Besprechungsraum des Kreisverbandes der CDU in der Mädlerpassage spricht Weickert über seinen Werdegang und seine Politik. Beim Reden schaut er meist in die Ferne, als wäre da ein großes Publikum – dabei stehen im kargen Konferenzraum nur leere Stühle um einen Tisch. Der Stadtrat trägt einen blauen Anzug mit weißem Hemd, dazu eine violett-blaue Krawatte auf die das lila Einstecktuch perfekt abgestimmt ist. An seinem Revers ist ein Pin mit dem Leipziger Wappen befestigt. Er redet ruhig, aber bestimmt. Auf jede Frage hat er sofort eine Antwort. Schnell wird klar, dass Politik sehr viel mehr als nur ein Hobby für ihn ist.

    Michael Weickert in Lindenau in seinem Wahlkreis (Foto: Jan-Hendrik Helm)

    Weickert studiert Deutsch und Geschichte auf Lehramt an der Universität Leipzig. „Das ist zeitintensiv und natürlich leidet das Studium darunter,“ sagt er zu seinem Ehrenamt als Stadtrat. Doch da das alles freiwillig sei, dürfe sich niemand darüber beschweren. Außerdem sagt Weickert: „Wenn es keinen Spaß machen würde, würde ich es nicht machen.“ Oft seien abends noch Termine und die Woche so voll, dass meist nur der Sonntag als freier Tag bleibe.

    Als Ausgleich verbringt er Zeit mit seiner Familie und seiner Frau, die im September ein Kind erwartet, und geht mit seinem Hund spazieren. Als das Thema auf sein Haustier kommt, strahlt Weickert: „Ein Hund ist einfach was tolles“. Er gehe aber auch in die Kirche und spiele unglaublich gerne Karten, am liebsten Skat und Poker. Weickert ist in der katholisch-deutschen Studentenverbindung (KDStV) Germania zu Leipzig. „Nicht zu verwechseln mit der Burschenschaft Germania! Ich glaube, die wird vom Verfassungsschutz beobachtet, da gehören wir nicht hin“, stellt er sofort klar. Die KDStV Germania ist nicht schlagend und ein reiner Männerbund nach dem Lebensbundprinzip. Schließlich sei der einzige Lebensbund, den man mit einer Frau eingehe, der der Ehe, sagt Weickert bestimmt. Auch die CDU sei für ihn mehr als eine Partei, da sei eine Art innere Bindung.

    In die Politik eingetreten sei er damals, weil er Befürworter der Atomkraft und der Wehrpflicht und gegen den Mindestlohn war. Im Leipziger Stadtrat setzt er sich als schulpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion jedoch eher für Themen in der Bildung ein. Für ihn fange Politik da an, wo man „mit eigener Verantwortung die Lebensumstände von Menschen verbessern kann“.

    Wenn Weickert in den Landtag gewählt wird, würde er sich dafür einsetzen, das Lehramtsstudium weniger theoretisch zu gestalten, mit einem neuen Polizeiposten im Leipziger Westen mehr Polizeipräsenz zu zeigen und dass der Bau des City-Tunnels, welcher den Leipziger Osten und Westen verbinden soll, vorangebracht wird. Im Leipziger Westen wohnt der geborene Bornaer seit acht Jahren, aufgewachsen ist er in Hannover. Weickert sagt über sich selbst, dass er sehr ehrgeizig ist und es spannend findet, mehr Verantwortung zu übernehmen. Wohin ihn das führe, weiß er noch nicht, aber schon in seiner Abizeitung stand „Bundeskanzler“ als berufliche Perspektive.

    Politik müsse immer eine Debatte sein, sagt er und rückt die verrutschte Krawatte zurecht. Dabei lugen unter dem mit vier Knöpfen versehenen Anzugärmel Manschettenknöpfe hervor. Teilweise wirkt Weickert älter als er eigentlich ist, auch wenn der hippe Bart eine andere Sprache spricht. Er findet junge Menschen in der Politik wichtig für die Zukunft. Als Beispiel nennt er Philipp Amthor, den er als „authentisch, brillant und absolut sachlich“ bezeichnet. Er habe noch „unwiderlegt“ anhängen wollen, aber das sei aus katholischer Sicht ja nur der Papst. Leute wie er seien wichtig für die Zukunft der CDU, deshalb rät er jungen Leuten: „keine Hemmungen haben. Man muss sich grundsätzlich erstmal alles zutrauen.“

    Jedem, der unzufrieden sei mit der aktuellen Politik, rät Weickert, sich in einer politischen Partei zu engagieren. Dass seine Partei viel Kritik erhält und der Hashtag #niemehrcdu existiert, stimme ihn sehr nachdenklich. Man könne hier eine ganze Generation verlieren. Trotzdem sagt er, „das Internet braucht Regeln für Urheberrecht.“  Von Demonstrationen scheint er wenig zu halten, bezeichnet sie als „Politik auf der Straße machen“. Da solle man ihm lieber schreiben.

    Eines fällt auf, wenn man die anderen Kandidierenden um Weickert für die CDU anschaut: es sind alles ältere, weiße Männer. Für „das Frauen-Thema“, wie er es nennt, könne die Partei nichts. „Das sind demokratische Nominierungen“, erklärt er. Wenn das eben die Menschen sind, die sich aufstellen lassen und in ihrem Wahlkreis präsent sind, sei das so. Er sei ein „absoluter Gegner von Quoten“. Politikern wie Friedrich Merz, Michael Kretschmer, Hans-Georg Maaßen und Sebastian Kurz spricht er genauso wie Philipp Amthor Bewunderung aus. Für die CDU sei eine klare Linie wichtig, statt einer an den Koalitionspartner angepassten Politik. Genau wie der sächsische Ministerpräsident Kretschmer lehnt er in Sachsen eine Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch ab.

    Auf die Frage, warum man ihn wählen sollte, herrscht kurz Stille. Dann kommt von Weickert ein bestimmtes: „weil ich der Beste bin“. Er lehnt sich entspannt zurück, fängt an zu kippeln und kann sich das Lachen dann doch nicht verkneifen. Dann wiederholt er Dinge, die im Gespräch oft gefallen sind: sein Ehrgeiz, der Wille, etwas zu ändern, Probleme anzugehen und zu lösen, klare Politik und der Antrieb, so lang weiterzumachen, bis man zufrieden mit dem Geschaffenen ist.

     

    Bis zum 1. September laden wir Porträts von Leipziger Kandidierenden für die Landtagswahl hoch. Die porträtierten Personen gehören verschiedenen Parteien an; die Artikel werden in zufälliger Reihenfolge veröffentlicht.

     

    Titelbild: Jan-Hendrik-Helm

     

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