• Wahljahr 2019
  • Leipzig
  • Den Mund aufmachen gegen Rassismus

    Hanna Lohoff

    Ein Stipendium für alle Studierenden und politische Bildung schon in der Kita – Irena Rudolph-Kokot hat viele Ideen für Sachsen. Bei der Landtagswahl tritt sie im Wahlkreis 30 Leipzig 4 für die SPD an

    Wer in Leipzig häufig auf Demos unterwegs ist, hat sie vielleicht schon einmal gesehen. Mit einem Megafon in der Hand läuft sie Seite an Seite mit den Demonstrierenden, spricht bei Kundgebungen, kommt mit den Anwesenden ins Gespräch. Irena Rudolph-Kokot ist in der Stadt kein unbekanntes Gesicht – vor allem jetzt, da es einem auf Wahlplakaten entgegenblickt. Rudolph-Kokot tritt für die SPD auf Listenplatz 14 erstmals bei der sächsischen Landtagswahl an. Im Wahlkreis 30 Leipzig 4, der die Stadtteile Altlindenau, Böhlitz-Ehrenberg, Leutzsch, Lindenau, Lützschena-Stahmeln, Neulindenau, Plagwitz und Schleußig umfasst, kann man die 46-Jährige am 1. September mit der Erststimme wählen.

    Gründe, das zu tun, liefert Rudolph-Kokot viele, während sie am Küchentisch ihrer Wohnung mitten im Zentrum von Leipzig sitzt. Einen noch aufgeklappten Laptop neben sich stehend, erzählt sie von ihrem Engagement und ihrer Arbeit. Sie ist Personalrätin bei der Stadt Leipzig, hat also bereits beruflich mit den Belangen und Rechten von Arbeitnehmer*innen zu tun. Heute macht sie Homeoffice, weil es in ihrem Büro zu heiß ist. Rudolph-Kokot ist bei Ver.di sowie dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) aktiv. Außerdem engagiert sie sich im antirassistischen Aktionsnetzwerk Leipzig nimmt Platz und hat mit Politiker*innen der Grünen und Linken die Initiative „Sachsen #umkrempeln!“ ins Leben gerufen, die sich für ein rot-rot-grünes Bündnis im sächsischen Landtag stark macht. Nach 30 Jahren, in denen die CDU den Freistaat regierte, sei es an der Zeit, den Politikstil zu ändern.

    Die 46-jährige Politikerin tritt im Wahlkreis 30 Leipzig 4 für die SPD an. (Foto: Götz Schleser)

    Rudolph-Kokot schenkt sich Limonade ein, während sie erzählt. In den Landtag würde sie als Gewerkschafterin ziehen und sich vor allem für Arbeitnehmer*innenrechte stark machen. Auch der Kampf gegen rechts sei ihr wichtig. „Sachsen hat eine gar nicht so schlechte Zivilgesellschaft“, antwortet sie auf die Frage, ob sie gern in diesem Bundesland lebe. Viele würden jedoch noch schweigen. Um sich deutlich gegen Rassismus zu positionieren, müsse man „den Mund aufmachen“ – etwa durch Engagement in Initiativen gegen rechte Positionierungen.

    Die SPD-Kandidatin habe sich bereits als Schülerin in verschiedenen Projekten engagiert und sich in ihrer Jugend dann politisiert. Als Kind einer russischen Mutter und eines deutschen Vaters wurde sie in Moskau geboren und kam als Kleinkind nach Leipzig. In den 90ern war sie in der Gothic-Szene aktiv und wurde zum „Jagdobjekt der rechten Szene“. „Wir sind damals viel gerannt, das war keine schöne Zeit“, erinnert sich Rudolph-Kokot.

    Ein Einsatz gegen rechte Kräfte und für die Demokratie ist für Rudolph-Kokot an die Bildung gekoppelt. Sie hat einen Sohn, der in die 8. Klasse geht und merkt in ihrem Alltag, wo Bildungskonzepte in Sachsen scheitern. Bereits in den Kitas müsse politische Bildung stattfinden und Mitbestimmung gelehrt werden. Das solle sich dann durch alle Bildungseinrichtungen ziehen. In der Hochschulpolitik wünscht sich die Kandidatin flexiblere Strukturen. „Bologna hat viele Freiheiten genommen und die Uni ist nicht für alle Lebensmodelle kompatibel.“ Sie fordert deshalb flexiblere Lösungen für Studierende mit Kind, in Krankheitsfällen oder für Teilzeitstudierende. Zum Studieren solle generell mehr Zeit zur Verfügung stehen, egal aus welcher Bildungsschicht man stammt. Deshalb schlägt Rudolph-Kokot ein Stipendium für alle Studierende vor, das sie nicht zurückzahlen müssen.

    Mehrere Demonstrierende am Leipziger Augustusplatz mit einem Banner vom Aktionsnetzwerk Leipzig nimmt Platz.

    Irena Rudolph-Kokot engagiert sich unter anderem beim antirassistischen Aktionsnetzwerk Leipzig nimmt Platz.

    Ihr vielfältiges Engagement in Leipzig würde Rudolph-Kokot mit einem Platz im sächsischen Landtag nicht vernachlässigen. „Ich habe jetzt ja auch einen Vollzeitjob“, bemerkt sie und bezieht sich auf ihre Tätigkeit als Personalrätin. Rudolph-Kokot wird also ab September nach wie vor in Leipzig mit Megafon in der Hand zu sehen sein – egal, wie die Wahl für sie ausgeht.

     

    Bis zum 1. September laden wir Porträts von Leipziger Kandidierenden für die Landtagswahl hoch. Die porträtierten Personen gehören verschiedenen Parteien an; die Artikel werden in zufälliger Reihenfolge veröffentlicht.

     

    Titelfoto: Leipzig nimmt Platz

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