• Kultur
  • Zusammen gegen das Nichts

    Lisa Bullerdiek

    In der HGB werden erstmals die Diplomarbeiten des Winter- und Sommersemesters zusammen präsentiert. Die Studierenden haben einen interessanten Mix verschiedener Kunstformen geschaffen.

    Anderthalb Tage. So viel Zeit hatten manche Diplomand*innen der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB), um ihre Abschlussprojekte für die Besucher*innen des diesjährigen Rundgangs vorzubereiten. Gerade haben sie noch den praktischen Teil ihrer Diplomarbeit präsentiert und mussten nun schnell die Ausstellung vorbereiten. Im letzten Semester haben sie aus Protest keine Abschlussarbeiten präsentiert. Um gegen mangelnde finanzielle Förderung und gegen Platz- und Lehrer*innenmangel zu protestieren, gab es im Februar bloß leere Wände zu sehen. In dem neuen Rundgang wollen nun auch all jene ihre Werke ausstellen, die im letzten Semester gestreikt haben, sowie der Diplomjahrgang dieses Semesters.

    In den anderthalb Tagen haben die Diplomand*innen in der HGB das Gegenteil der Leere geschaffen, die dieser Ausstellung vorausging. Nur der Lichthof gleich hinter dem Eingang erinnert noch daran. Hier ist nichts ausgestellt.

    Im gesamten Gebäude und in jedem noch so kleinen Raum finden Besucher*innen die Werke der Studierenden. Und das, so betont Ilse Lafer, die Leiterin der Galerie, „ist eine beeindruckende Leistung“. Ziel sei es gewesen, die verschiedenen Kunstformen, die die Studierenden an der HGB erproben, zu vereinen. In den einzelnen Räumen treffen verschiedenste Werke aufeinander. „Wie ein Strudel“, so beschreibt es ein Diplomand.

    Heebie Jeebies von Jana Slaby
    Werke von Immo Schneider und Lucia Graf
    Aspra Marmara von Frank Holbein
    Cutouts und Bilder von Vitiko Schell

    Im Hintergrund quietscht und knarzt das Parkett, während man mit den Studierenden über ihre Werke sprechen oder sich selbst ein Bild machen kann. Dass in manchen Zimmern Grafik-Design, Malerei und Medienkunst aufeinandertreffen, lädt dazu ein, noch länger in den Zimmern zu verweilen. Wie bei einem Rätsel kann man sich auf die Suche nach der geheimen Verbindung begeben. Dabei wirkt kein Raum statisch. Sondern, vielleicht auch, weil wenig Zeit für die Vorbereitung war, lebendig.

    „Designarbeit fängt für mich immer im Gespräch an.“ So erläutert ein Diplomand sein Werk. Während man durch die Räume läuft, scheint es, als wäre dies der Slogan der gesamten Ausstellung. Denn während der Zeit des Rundgangs im letzten Semester haben die Studierenden in der Hochschule und auch digital auf der Website der HGB einen Raum für Gespräche geschaffen. Wiederum haben diese Gespräche den Raum für die Kunst geschaffen, die ihn nun füllt. Als würden sie sagen wollen: „Jetzt erst recht.“

    Der Diplomrundgang der HGB ist noch bis zum 17. Juli zu sehen. Er ist Montag bis Mittwoch von 14 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

     

    Fotos: Lisa Bullderdiek

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