• Hochschulpolitik
  • Universitätsleitung trifft sich mit Students For Future

    Lisa Bullerdiek

    Am Dienstag trafen sich die Universitätsleitung und die Initiative Students For Future Leipzig erstmals zu einem Gespräch. Es soll der Auftakt für weitere Verhandlungen gewesen sein.

    Anfang dieser Woche sprachen Vertreter*innen der Universität Leipzig und der Leipziger Ortsgruppe von Students For Future erstmals persönlich miteinander über deren klimapolitische Forderungen an die Hochschule. Kurz bevor Beate Schücking, Universitätsrektorin, Thomas Höfsass, Prorektor für Bildung und Internationales, und Nicola Klöß, Beauftragte für Fragen der Umwelt an der Universität, zum Treffen erschienen, herrschte noch Hektik in dem Raum in der Ritterstraße. Nach Monaten, in denen Students For Future mehrere Aktionen an der Universität organisiert haben, nach Klimastreik und Vollversammlung, bot sich nun die Gelegenheit, die in der Vollversammlung vom 22. Mai beschlossenen Forderungen direkt an die Universitätsleitung heranzutragen. Sie folgte der Einladung durch die studentischen Aktivist*innen.

    Als Schücking, Höfsass und Klöß den Raum betraten, herrschte gespanntes Schweigen. Vier Vertreter*innen von Students For Future Leipzig waren Wortführer*innen. Die etwa vierzig anderen Studierenden konnten sich am Gespräch beteiligen, indem sie Zettel an den Redner*innentisch weiterreichten. Alle, die nicht anwesend waren, konnten Fragen per Instagram-Livestream stellen.

    Zu Beginn des Gesprächs wiederholten die Vertreter*innen die konkreten Forderungen des studentischen Ablegers der weltweiten Klimabewegung in Leipzig. Es ging vor allem darum, dass die Universität die Bewegung unterstützt, zum Beispiel, indem sie sich zu den Grundsätzen der Bewegung bekennt. Die Leitung soll laut Students For Future Mittel bereitstellen, die konkrete Wahlfachmodule zum Thema Nachhaltigkeit schaffen. Auch soll die Universität ihre Gebäude und den gesamten Hochschulbetrieb bis 2023 klimaneutral machen.

    Während des Treffens saßen sich Students For Future und die Universitätsleitung gegenüber.

    Besonders der Universitätsleitung war es in dem Gespräch wichtig, die Gemeinsamkeiten statt die Unterschiede der anwesenden Parteien zu betonen. „Sie rennen bei uns offene Türen ein“, bekräftigte Schücking. Sie nennt als Beispiel für das Einsetzen der Universität für Nachhaltigkeit das 2012 gegründete Deutsche Zentrum für Integrative Biodiversitätsforschung (iDiv). Es ist nach Angaben Schückings das größte Institut der Hochschule. Am Institut für Wirtschaftswissenschaften und für Lehrämtler*innen habe die Universität bereits Möglichkeiten der Weiterbildung zum Thema Nachhaltigkeit geschaffen. Auch Schücking persönlich habe sich in den acht Jahren ihrer Rektorinnenschaft für Klimaschutz eingesetzt, insbesondere durch ihr Engagement für das iDiv und durch ihren Einsatz dafür, dass die Universität wieder die Bauherreneigenschaft über ihre Gebäude zurückgewinnt. Jedoch sei ein gemeinsames Bekenntnis von Students For Future und Universitätsleitung gegen die universitätsinternen Verhandlungsprozesse. Sie verwies dabei besonders auf den Senat, auch dieser müsste einer solchen Forderung zustimmen.

    Students For Future ging das nicht weit genug. So gäbe es keinen eigenen Studiengang oder ein Wahlfach für Nachhaltigkeit, das sich an alle Studierenden richte. Außerdem, so betonten die Aktivist*innen mehrmals, konnten sie keinen Überblick über den Emissionsverbrauch der Universität finden. Hier mangele es an Transparenz. Zentral blieb für die Studierenden auch, dass sich die Universitätsleitung zu ihren Zielen bekennt. „Wir sind natürlich keine Profis in Sachen Universitätsverwaltung“, klang es etwas verbittert bei einem wortführenden Aktivisten an, „aber wir haben uns in den letzten Monaten wirklich viel damit beschäftigt.“

    Dass beide Gesprächspartner*innen wirklich gut über die Schwierigkeiten Bescheid wussten, die mit der Durchsetzung solcher Forderungen einhergehen, wurde im Gespräch klar. So erschien als zentrales Problem die Bauherreneigenschaft der Universitätsgebäude. Denn die gehören nicht etwa der Hochschule, sondern dem Sächsischen Immobilien- und Baumanagement (SIB). Das macht eine transparente Offenlegung des Energieverbrauchs der Universität schwierig. Beide Parteien waren sich einig, dass dies in gemeinsamer Arbeit dringend geändert werden muss.

    „Nur gemeinsam können wir das schaffen. Nur gemeinsam kriegen wir das hin“, fasste eine Vertreterin von Students For Future das Treffen zusammen. Die Beteiligten schufen keine „harten Fakten“, aber sicherlich einen Dialog. Einzelne Schritte wie der Aufbau eines Moduls bereiteten die Aktivist*innen vor. Das muss jetzt durch den Senat abgesegnet werden. Aber, und darauf verweist ein Student am Ende: „Jede Sekunde, die wir hier sitzen, bewegen wir uns näher an den Kipppunkt.“ Das Gespräch war ein Anfang, um dafür zu sorgen, dass die Universität Leipzig ihren Beitrag leistet, um dieses Kippen in Bezug auf die Klimakatastrophe zu verhindern.

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