• Leipzig
  • Vereint in Vielfältigkeit

    Charlotte Domberg

    Der sächsische Ableger des Bündnisses #Unteilbar feierte in Leipzig mit über 3.000 Teilnehmenden seine Auftaktveranstaltung für den „Sommer der Solidarität“.

    Bunt, laut und vielseitig setzt sich der Demonstrationszug des #Unteilbar-Bündnisses in Bewegung. Die verschiedenen Blöcke, getrennt durch Lautsprecherwagen, die mit Transparenten und Plakaten bedeckt sind, reihen sich aneinander. Der vorderste, allgemeine Block des Bündnisses #Unteilbar repräsentiert seine Vielfältigkeit: Bevor es losging, sprach neben einer Pfarrerin auch Volker Lösch, Regisseur im Dresdener Theater, und der DGB-Regionsgeschäftsführer Erik Wolf. Sie alle eint die klare Kante gegen rechts, so Lösch: „Es reicht nicht mehr, nur einen Tag gegen die AfD zu demonstrieren, es reicht nicht mehr, nur wütend und empört zu sein.“ Für ihn stehen gemeinsame, demokratische Werte durch das Erstarken der Rechten auf dem Spiel. Auch die Interventionistische Linke Leipzig will „soziale Fragen nicht gegen Migration und Flucht ausspielen“, so die Rednerin auf der Auftaktkundgebung.

    Der Lautsprecherwagen des Seebrücken-Bündnisses hat eine klare Botschaft. (Foto: Charlotte Domberg)

    Der größte Block, der queerfeministische, reiht sich an zweiter Stelle. Die Teilnehmenden fordern ein Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper, sei es nun das Recht auf Abtreibung, der Kampf gegen Paragraf 219a, oder gegen das reformierte „Transsexuellengesetz“, welches zum Beispiel immer noch keinen selbstbestimmten Geschlechtseintrag erlaubt und so Trans-Personen diskriminiert. Trotz dieser ernsten Forderungen wird die freudige Stimmung nicht vergessen, es wird ausgelassen zu feministischem Hip-Hop und anderen Hits getanzt.

    Im Solidaritätsblock des Seebrücken-Bündnisses haben sich einige orangene Warnwesten angezogen, um ein Zeichen für die Seenotrettung von Geflüchteten zu setzen. Auch auf den aktuellen Fall von Carola Rackete und der Seawatch 3 sowie zwei anderen Rettungsbooten, die sich zurzeit auf dem Mittelmeer befinden, wurde in der Auftaktkundgebung Bezug genommen und eine Entkriminalisierung der Seenotrettung gefordert.

    Mehr auf Ästhetik setzt der Kunst- und Kulturblock: Es gibt einen Wagen für typischen „Demo-Style“ sowie lauten Techno und viel Glitzer. Weiter hinten auf der Demonstration reihen sich die Wagen der Parteien DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Gewerkschaften mit weitaus kleinerem Publikum ein.

    Bunter Protest des Kunst- und Kulturblocks (Foto: Charlotte Domberg)

    So zahlreich wie die Demoblöcke sind auch die Forderungen der Teilnehmenden: Von Leipziger Spezifika wie dem Ausstieg aus der fossilen Energieversorgung bis hin zur Solidaritätsbekundung für Geflüchtete und Seenotretter*innen auf dem Mittelmeer, von abstrakten Forderungen wie der Abschaffung des Patriarchats bis hin zu konkreteren, wie der nach bezahlbarem Wohnraum, wird eine große Bandbreite gesellschaftlicher Themen angesprochen. Die Teilnehmenden eint, dass sie ein Zeichen gegen rechts setzen wollen.

    Jojo, Studentin der an Universität Leipzig, ist zum Beispiel hier, weil sie sich gegen den immer noch bestehenden Rassismus im Alltag einsetzen will. „Ich habe letztens in der Straßenbahn erlebt, wie eine Frau rassistisch beleidigt wurde und das hat mich so schockiert“, erzählt sie. Kritischere Stimmen waren ebenfalls zu hören: „Der Minimalkonsens gegen rechts reicht nicht aus, es muss mehr getan werden“, wendet eine Teilnehmerin, die nicht namentlich genannt werden möchte, aus dem queerfeministischen Block ein. Hier zeigt sich die Schwäche und gleichzeitige Stärke von #Unteilbar: Gibt es zwischen all den unterschiedlichen Gruppen mehr Gemeinsamkeiten als den Konsens, gegen rechts zu sein? Gemeinsam im Wind wehen israelische Flaggen neben kurdischen, Parteiflaggen, der FAU (Freie Arbeiterinnen und Arbeiter Union), feministische und Prideflaggen oder auch die der Klimabewegung Extinction Rebellion.

    Der Demonstrationszug führt mit lauten Bässen – auch musikalisch von Pop bis Techno alles vertreten – von der Windmühlenstraße über den Roßplatz auf den Ring. Von dort aus geht es weiter durch den Clara-Zetkin-Park bis zur Sachsenbrücke. Auf der Abschlusskundgebung wird es nochmal ernst: „Der rassistische Ausnahmezustand ist zum Alltag geworden“, klagt eine Rednerin der Initiative Schwarzer Menschen auf der Abschlusskundgebung und erinnert damit an die Ernsthaftigkeit des Themas, die beim vielen Glitzer und der Buntheit leicht zu vergessen ist. Den Abschluss bildete ein Konzert mehrerer Bands, darunter Dota und Sarah Lesch.

    Titelfoto: Pia Benthin

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