• Kultur
  • In die runde Ecke gestellt

    Dennis Hänel

    Der kreuzer veröffentlichte einen Artikel über den Leiter der Gedenkstätte Runde Ecke, Tobias Hollitzer. Darin wirft das Magazin journalistische Grundsätze über Bord, findet Redakteur Dennis.

    Die Titelseite der letzten Ausgabe des kreuzer (06/2019) zeigt das Konterfei von Tobias Hollitzer, Leiter des Museums und Gedenkstätte Runde Ecke am Dittrichring, dem ehemaligen Bezirksverwaltungssitzes der Staatssicherheit. Schlägt man anschließend die Titelstory auf, sieht man einen Beitrag, der auch die Überschrift „Die Zerstörung des Tobias Hollitzer“ tragen könnte.

    Dieses Jahr soll zum Jubiläum der Friedlichen Revolution eine Sonderausstellung zu eben dieser stattfinden. Austragungsort soll nach dem Willen der Stadt die Runde Ecke sein. Die Kritik des kreuzer ist hierbei zunächst, das Museum und insbesondere sein Leiter seien dafür ungeeignet. Die Autoren verweisen dabei auf das unwissenschaftliche Arbeiten der Runden Ecke. Es handle sich um ein „Laienmuseum“, das von politisierten Zeitzeugen ohne Aufsicht einer Expertenkommission geführt werde. In dem Museum, worin über die Repression der DDR, eines autokratischen Staates, aufgeklärt wird, würde die „Opferperspektive“ und ein „antikommunistischer Ton“ dominieren. Zudem sei die Darstellung der „sich sozialistisch nennenden Gewalt überspannt“, so der Vorwurf weiter.

    Die Ausstellung im Museum Runde Ecke gerät in die Kritik.

    Dirk van Laak, Historiker für deutsche und europäische Gesichte an der Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften der Universität Leipzig sagt dazu, dass die „oft widerwärtigen Methoden der Stasi dort sehr lebensnah dargestellt“ sind. Allerdings würden die „museumsdidaktischen und zeithistorischen Entwicklungen der letzten zweieinhalb Jahrzehnte“ nicht hinreichend gespiegelt. Ein Mitarbeiter des Vereins Archiv Bürgerbewegung Leipzig, der anonym bleiben möchte, bestätigt dies. Die Ausstellung sei „nicht mehr aktuell“ und ein Beleg dafür, wie „Opferverbände in den 90ern eine Ausstellung konzipiert haben.“

    Interessant sind auch die anderen zwei Drittel des Artikels, die sich ausschließlich mit der Personalie Hollitzer und seinen Verfehlungen beschäftigen. Hierzu werden wiederkehrend zwei anonyme Kontakte aus der Gedenkstätte zitiert, die Hollitzer unterstellen, er wäre keine Führungsperson, unzuverlässig, selbstherrlich und hätte eine „Scheuklappenmentalität“. Auch nutze er die Relevanz der Gedenkstätte aus und sei eigentlich kein „Revolutionsheld“, obwohl eingeräumt wird, dass seine Rolle bei der Besetzung der Runden Ecke durch Demonstrierende 1989 unklar sei. Seine Mutter wird ebenfalls mehrfach erwähnt und als anstrengend dargestellt.

    Die vorgetragene Kritik kann sich natürlich aus Sicht des kreuzer oder der Mitarbeiter so darstellen, doch es fehlt hier an stichhaltigen Nachweisen, abseits der Aussagen zweier anonymer Mitarbeiter . Die Autoren belegen die Behauptungen überwiegend nicht und verwendeten häufig das Wort „angeblich“.  Exemplarisch für das argumentative Kartenhaus ist ein verfristeter Förderantrag für 2019. Im Artikel heißt es weiter, dass der Stadtrat ohnehin einen Betrag für die Runde Ecke zurückgestellt hatte, sodass es eines Förderantrages gar nicht bedurfte.

    Der Beitrag versucht mittels einer rein personenbezogenen Argumentation, Hollitzer als Leiter des Museums in Frage zu stellen. Gegen Ende des Artikels wird auch die mutmaßliche Intention der Autoren klar. Hollitzer habe sich mehrfach kritisch gegenüber linker Politik geäußert. So möge er laut des kreuzer-Beitrages etwa Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) nicht, da er „ein Roter“ sei und linksorientierte Zeitungen „kämen ihm nicht ins Haus“. Auch vertrete er die Extremismustheorie wonach die rechten und linken politischen Ränder außerhalb der freiheitlich demokratischen Grundordnung zugeordnet werden. Zudem habe Hollitzer durch Äußerungen ein „ganz bestimmten Demokratie- und Moralverständnis“.

    Welche Äußerungen das sind, wird nicht näher erläutert. Nach dem Lesen des Beitrages bleibt hinsichtlich des Informationsgehaltes genau das Gefühl zurück, das sich der kreuzer auf die Fahne geschrieben hat: „Subjektiv und Selektiv“. Mit Journalismus hat das jedoch wenig zu tun.

     

    Fotos: Archiv

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