• Film
  • Treiben an der Oberfläche statt Tiefgang

    Lisa Bullerdiek

    „Long Shot“ will eine politische romantische Komödie sein. Charlize Theron spielt eine Präsidentschaftskandidatin der USA, Seth Rogen ihren Redenschreiber. Politik und Komik kommen zu kurz.

    Es gibt einen unfähigen Präsidenten (der gegen den echten relativ blass aussieht), einen schmierigen Pressemogul und Seth Rogen als wütenden Journalisten. Am Ende hat man den Eindruck, Liebe könne nach dem Todesschlaf durch vergiftete Äpfel und Dementoren nun auch Sexismus verscheuchen.  Fred Flarsky (Seth Rogen) ist ein arbeitsloser Journalist, der auf einer Party nach Zerstreuung sucht und dabei die Außenministerin der USA, Charlotte Field (Charlize Theron), wiedertrifft, die ihn in seiner Kindheit gebabysittet hat. Sie beschließt, ihn als Redenschreiber einzustellen und die beiden reisen um die Welt, während Charlotte nach Unterstützung von möglichst vielen Staatschefs für ein Naturschutzprogramm sucht und sich nebenbei für ihre Kandidatur als erste Präsidentin der Vereinigten Staaten rüstet. Wer denkt, bei dem ganzen Stress wäre keine Zeit fürs Sich-Verlieben, liegt falsch. Ihre Beziehung wird jedoch bald zur Gefahr für Charlottes Kandidatur.

    Ab und zu zieht Fred (Seth Rogen) seine Trainingsjacke aus.

    Der Film ist nur dann unterhaltsam, wenn er auf die politische Lage der USA als halblautes Hintergrundrauschen verzichtet, denn so kann sich der Film weder mit Politik noch mit der Beziehung der beiden wirklich beschäftigen. Zum Beispiel, wenn Fred zum ersten Mal in Charlottes Büro in Washington steht, mit den Händen in den Hosentaschen, umgeben von schweren Mahagonimöbeln, und wirklich verletzlich wirkt. Aber auch, wenn sich die beiden im Schein Pariser Laternen nach einer durchfeierten Nacht küssen. Zwischen Charlize Theron und Seth Rogen herrscht in diesen Momenten wirklich Chemie. Leider flüchtet der größte Teil des Films eher in Platituden, statt den beiden Figuren und ihrer unterhaltsamen Dynamik näherzukommen. So bleiben diese ehrlichen Momente Ausnahmen. Die meiste Zeit ist nicht klar, ob der Zuschauer Seth Rogens Charakter für die Unterstützung von Charlotte loben oder sich über ihn lustig machen soll.

    Der Diskriminierung, der Charlotte begegnet, kann der Film nur inhaltsleere Schlagwörter entgegnen. So verteidigt sie in einer Szene ihre Beziehung und bittet, nicht „geslutshamed“ zu werden, denn sie sei ja verliebt. In seinen schlimmsten Momenten tappt der Film in selbstgestellte Fallen, wenn sich zum Beispiel Fred darüber beschwert, sich verstellen zu müssen, während Charlotte gerade dreißig Minuten winken üben musste und Interviewfragen auf dem Crosstrainer beantwortet. Dass er seine abgewetzte Trainingsjacke ausziehen soll ist sicher nicht mit den Anforderungen vergleichbar, die an sie als Präsidentschaftskandidatin gestellt werden.

    Der schmierige Präsident (Bob Odenkirk) bedroht Charlottes harte Arbeit.

    Der Anspruch, eine gehaltvolle romantische Komödie zu machen, in der politische Themen behandelt werden, scheitert. Auch lustig ist der Film nur bedingt, außer man findet den stolpernden Seth Rogen extrem unterhaltsam. Es werden mehrfach Handlungsstränge eröffnet, die anschließend im Sand verlaufen.

    Wer von „Long Shot“ mehr erwartet als nur den schläfrigen Versuch, im Sommer etwas Geld in die Kinokassen zu spülen, der wird enttäuscht. Seth Rogen unternimmt zwar manchmal den Versuch, seinem Charakter etwas Tiefe einzuhauchen, aber rutscht in seine übliche Rolle als bekiffter Kindskopf ab. Charlize Theron ist schön wie immer, etwas weniger kühl, und schafft es bei makellosem Aussehen und gelegentlichem Sekundenschlaf, sich sowohl mit aufdringlichen kanadischen Präsidenten, Sicherheitsbedrohungen und dem nörgelnden Seth Rogen rumzuschlagen. Wenn das die Emanzipation ist, die Hollywood verspricht, dann ist das eine sehr ernüchternde Botschaft.

    Ab 20. Juni im Kino

     

    Fotos: Studiocanal

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