Außergewöhnliche Studiengänge…

Luise Mosig

...und wo sie in Leipzig zu finden sind. Wir stellen euch fünf Leipziger Studierende vor, die sogenannte „Orchideenfächer“ belegen: Studiengänge, die nur an wenigen Hochschulen gelehrt werden.

Manche Leute beschäftigen sich mit seltenen magischen Tierwesen, andere studieren Fächer wie Sorabistik oder Museologie. student!-Redakteurin Luise Mosig hat mit Leipziger Studierenden gesprochen, die sich nicht für Jura oder BWL eingeschrieben haben, sondern für weniger bekannte Studiengänge.

Sorabistik (Universität Leipzig)

Max Baganz, 23 Jahre alt, studiert Sorabistik im zweiten Mastersemester. Die Universität Leipzig ist die einzige Hochschule Deutschlands, an der man die sorbische Sprache und Kultur studieren kann. Ihn fasziniert das Niedersorbische als potenzielle Brücke zwischen Deutschland und den slawischsprachigen Ländern. Außerdem sieht er sein Studium als „großartiges Rückfahrtticket in die Heimat“, denn er stammt aus Neuzelle nördlich von Cottbus in der Niederlausitz, wo die niedersorbische Sprache und Kultur noch heute gepflegt werden.

Wie bist du auf den Studiengang aufmerksam geworden?
Während meines Auslandsaufenthalts in Mexiko nach dem Abitur fiel meine Wahl auf Leipzig und die beiden Studiengänge Ethnologie und Sorabistik. Damals hatte ich noch keine echte Vorstellung vom Fach Sorabistik. In Ethnologie bin ich – glücklicherweise – nicht angenommen worden, in der Alternative Sorabistik dafür bald voll aufgegangen. Es ist mir schnell zu einer Herzenssache geworden.

Wie sieht eine typische Studienwoche bei dir aus?
Zurzeit belege ich die Module „Geschichte der Sorben im Kontext“, „Sprachpraxis III“ (mit Fokus auf Übersetzung und Stilistik) sowie „Geschichte des Sorbischen“. Vollgepackt ist meine Woche nicht, aber es wird Eigeninitiative im Selbststudium erwartet. Da ich meistens ab Donnerstagnachmittag ein langes Wochenende planen kann, fahre ich regelmäßig mit dem Zug gen Heimat.

Was kannst du damit beruflich machen?
Wir Sorabisten gehören vermutlich zu der kleinen Minderheit von Geisteswissenschaftlern, die nach dem Studium direkt in einen Beruf starten können. Aufgrund der hohen Nachfrage von Sorbischsprechern in den entsprechenden Institutionen der Bautzener oder Cottbusser Gegend sind wir relativ gut abgesichert. Bei der Anzahl von Quereinsteigern in der Sorbischen Welt merkt man auch, dass es hauptsächlich auf die Sprachkenntnis und gar nicht so sehr auf den Abschluss ankommt. Ich persönlich möchte nach meinem Masterstudium entweder zur niedersorbischen Presse oder zum Rundfunk.

Druck- und Verpackungstechnik (HTWK)

Ulrike Käppeler, 24 Jahre alt, studiert Druck- und Verpackungstechnik im dritten Mastersemester. Dabei beschäftigt sie sich mit der industriellen Herstellung, dem Design und dem Material von Druckerzeugnissen und Verpackungen. Gerade schreibt sie ihre Masterarbeit.

Wie bist du auf den Studiengang aufmerksam geworden?
Ich habe mein Freiwilliges Ökologischen Jahr zur Orientierung genutzt. Es gibt viele laute Stimmen gegen die Nutzung von Verpackungen und das gab mir den Ansporn, hinter die Kulissen der Verpackung zu sehen. Außerdem gefiel mir die technische Ausrichtung des Studiengangs in Leipzig. Ab diesem Wintersemester wird sich der Studiengang „Verpackungstechnologie und Nachhaltigkeit“ nennen – das zeigt, wohin sich die Branche entwickelt.

Wie sieht eine typische Studienwoche bei dir aus?
Die gibt es nicht. Grundsätzlich gibt es meist sechs verschiedene Module mit Vorlesungen, dazu kommen Teamarbeiten und viele Laborpraktika. Dabei werden beispielsweise Papiere und Verpackungsmaterialien auf ihre Eigenschaften untersucht und getestet, wie viel Kraft es benötigt, um eine Faltschachtel zu zerstören oder kreativ an einer neuen Verpackungslösung gearbeitet.

Was kannst du damit beruflich machen?
Es ist beispielsweise möglich, später in der Industrie in packmittelherstellenden Betrieben oder in produzierenden Unternehmen als Verpackungsentwickler, Betriebsingenieur oder im Verpackungsmanagement zu arbeiten. In die Forschung kann man natürlich auch gehen.

Literarisches Schreiben (Deutsches Literaturinstitut Leipzig)

Pia Birkel, 20 Jahre alt, studiert Literarisches Schreiben im vierten Bachelorsemester. Seit dem Abitur weiß sie, dass sie Schriftstellerin werden will. Am besten am Studiengang gefällt ihr, dass er viel Praxis vermittelt: Fast jede Prüfungsleistung ist ein selbstgeschriebener Text, sei es eine Kurzgeschichte oder ein Essay.

Wie bist du auf den Studiengang aufmerksam geworden?
Ein Schulfreund hatte sich darauf beworben und wurde abgelehnt, ermutigte mich aber, es zu versuchen. Ich informierte mich dann über die Zugangsvoraussetzungen – Teil der Bewerbung sind selbstgeschriebene Texte – und machte mich an die Arbeit. Einen ähnlichen Studiengang gibt es in Hildesheim, für mich war Leipzig als Universitätsstadt aber anziehender.

Wie sieht eine typische Studienwoche bei dir aus?
Ich habe Werkstattseminare, in denen wir Texte besprechen und lektorieren, und Theorieseminare, in denen jede Woche ein bis zwei Personen über ein Thema referieren. In einem Seminar produzieren wir gerade gemeinsam ein Hörspiel. Viel Arbeitsaufwand besteht darin, eigene Texte zu schreiben oder die anderer zu lesen.

Was kannst du damit beruflich machen?
Ich habe den Studiengang gewählt, weil ich das Handwerk des Schreibens erlernen wollte. Wenn man Zeit und Aufwand reinsteckt, hat man am Ende auf jeden Fall das Zeug zur Schriftsteller*in. Aber es gibt viele Möglichkeiten. Manche wollen Hörspiele produzieren, journalistische Texte schreiben oder beim Film arbeiten. Auch das kann man machen. Es ist aber nicht so, dass man seinen Bachelor abschließt und sofort einen Job bekommt. Danach folgen oft Praktika, ein anderer Studiengang oder kleine Veröffentlichungen. Das hängt ganz davon ab, was genau man will.

Indologie, Tibetologie und Mongolistik (Universität Leipzig)

Laura Bachmann studiert Indologie, Tibetologie und Mongolistik im zweiten Mastersemester. Sie ist fasziniert von der Geschichte und den Sprachen fremder Kulturen und sieht es als großartige Chance, über ihr Fach so unterschiedliche Menschen kennenlernen zu können.

Wie bist du auf den Studiengang aufmerksam geworden?
Ursprünglich habe ich Biologie in Rostock studiert, doch aufgrund gesundheitlicher Probleme wurde daraus nichts. Schließlich bin ich in Leipzig gestrandet. Ich habe so lange im Studienführer geblättert, bis meine Wahl auf Ethnologie fiel. Aus Interesse zum Buddhismus belegte ich im Wahlbereich „Kultur und Geschichte Tibets und der Mongolei“. Die Dozenten machten die Vorlesung so spannend, dass ich wusste, das wird mein regionaler Schwerpunkt! Schließlich wechselte ich ganz in das Studienfach.

Wie sieht eine typische Studienwoche bei dir aus?
Mein Schwerpunkt ist die Mongolistik, daher belege ich Kurse zum klassischen und modernen Mongolisch, in denen wir Texte aus unterschiedlichen Epochen analysieren. Ich besuche auch die Vorlesung und das Seminar zur „Einführung in den Hinduismus“, die sich besonders auf Indien beziehen. Vor Kurzem habe ich im Rahmen eines Praktikums ein mongolisches Filmteam bei Recherchen und beim Dreh eines Dokumentarfilms in Deutschland betreut. Ich nutze auch das fakultative Angebot des „Sanskrit-Rezitationskurses“, um meine zweite Sprache, das alt-indische Sanskrit, nicht ganz aus dem Gedächtnis zu verlieren. Als Tutorin gebe ich selbst Unterricht in Mongolisch, kümmere mich um eine Moodle-Seite und biete einen Kurs an, in dem wir mongolische Lieder singen. Das braucht zwar alles reichlich Zeit im Selbststudium, macht aber auch großen Spaß.

Was kannst du damit beruflich machen?
Man kann damit das machen, als was man sich verkaufen kann. Es kommt darauf an, wie man sich präsentiert und welche Fähigkeiten man im Studium und abseits der Studieninhalte entwickelt. Das Spektrum reicht von den wenigen universitären Stellen über diplomatische Dienste, Bibliotheken, Museen, Firmen, Dolmetschen und Übersetzen, Journalismus oder auch Reisebetreuung, bis hin zur Tätigkeit als Autor, Kneipenwirt oder Taxifahrer…

Museologie (HTWK)

Nina Görlich, 21 Jahre alt, studiert Museologie im vierten Bachelorsemester. Dabei lernt sie, wie man Museumsobjekte inventarisiert und für Ausstellungen aufbereitet. „Am meisten faszinieren mich die Geschichten, die Ausstellungsstücke erzählen“, sagt sie. Die HTWK ist eine von nur drei deutschen Hochschulen, die den Studiengang anbieten.

Wie bist du auf den Studiengang aufmerksam geworden?
Nach dem Abi habe ich ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur gemacht – und kann mir seitdem nicht vorstellen, woanders als in einem Museum zu arbeiten. Dahin führen klassischerweise zwei Wege: Studium einer Fachwissenschaft, etwa Kunstgeschichte, oder eben Museumswissenschaften. Letzteres finde ich deutlich spannender, da es nicht so trocken ist.

Wie sieht eine typische Studienwoche bei dir aus?
Da das Studium sehr praxisorientiert ist, machen wir viele Übungen, zum Beispiel zur Datierung von Museumsobjekten oder zur Layout-Gestaltung von Ausstellungstexten. Zurzeit plane ich mit Kommilitoninnen eine eigene Ausstellung. Zusätzlich belege ich einen Kurs in Museumspädagogik und je ein Seminar zu Elfenbeinkunst und historischen Bucheinbänden.

Was kannst du damit beruflich machen?
Prinzipiell habe ich die Möglichkeit, in allen Tätigkeitsbereichen in Kunst- und Kulturmuseen zu arbeiten, wobei der Schwerpunkt auf den Objekten liegt. Ich könnte beispielsweise in der Sammlungsdokumentation arbeiten, also Objekte beschreiben und sie in Datenbanken erschließen. Aber auch die Präsentation der Ausstellungsstücke ist ein möglicher Arbeitsbereich.

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