• Leipzig
  • Liberale Ladys Night statt Seniorenorganisation

    Simone Rauer

    Mit Politikverdrossenheit kann Antonia Maguhn, Direktkandidatin der FDP für die Leipziger Kommunalwahlen, wenig anfangen. Die junge Studentin will frischen Wind in den Stadtrat bringen.

    Sie ist jung, strukturiert und selbstbewusst. Antonia Maguhn von der FDP kandidiert für den Stadtrat im Wahlkreis 1. In Volkmarksdorf lebt sie, dort ist sie auch aufgewachsen. Begeistert erzählt sie vom Theklaer Wasserfest, schnell gefolgt von einer Warnung bezüglich der Wasserqualität des Theklaer Sees, die durch Blaualgen und Leichen gelitten haben soll.

    Seit 2017 ist Antonia Mitglied in der FDP und engagiert sich bei den JuLis, den Jungen Liberalen, eine FDP-nahe Jugendorganisation. Was sie politisiert habe, weiß sie selbst nicht mehr genau. Zum einen habe ihr die stockende Regierungsbildung nach der Bundestagswahl 2017 das Gefühl gegeben, etwas bewegen zu müssen. Viel eher aber störe Maguhn die Politikverdrossenheit der sogenannten Wutbürger. „Ich kann im Nachhinein zu mir sagen: Wenigstens habe ich was getan“, sagt sie, den Rücken gerade, die Arme zielbewusst verschränkt. Immer wieder betont sie, dass man sich einfach engagieren solle, wenn einem etwas nicht passt. „Immer meckern alle“, sagt die gebürtige Leipzigerin und beschwert sich über die fehlende Wahlbeteiligung und runtergerissene Wahlplakate. Dass sie keine Chance hat gewählt zu werden, sei ihr bewusst: „Hier wählt man entweder rechts oder links oder Garnichts“, erklärt sie trocken. Schlimm sei das aber nicht, es gehe ja nicht um ihre Karriere, sondern ums Engagement.

    Junge Frau stehend unter zwei Wahlplakaten der FDP.

    Antonia Maguhn kandidiert für den Stadtrat.

    Maguhn beschreibt sich selbst als nicht-konservativ. Das gehe auch gar nicht in einer so zukunftsgewandten Partei, erklärt sie. Konservativ bedeute für sie „nach gesellschaftlichen Normen leben“, was ihrer Meinung nach niemand müsse. Kein Sex vor der Ehe oder das Verbot gleichgeschlechtlicher Heirat seien Quatsch.
    Die FDP wurde  Maguhn daher schon in der Schule nahe gelegt. FDP oder SPD würden zu ihr passen, hieß es da. Sie selbst bezeichnet sich als sozial-liberal. Liberal sieht sie als absolute Toleranz und Akzeptanz. Den JuLis fühle sie sich aber näher als der „Seniorenorganisation“ FDP, wie die Jugendorganisation auf ihrer Webseite schreibt. Maguhn sieht das positiver. Immer mehr junge Leute interessieren sich für liberale Politik, es könnten aber noch mehr Frauen sein. Sie selbst sei nicht so emotional gebaut, erklärt die 21-Jährige, die sich auf Steuerrecht spezialisiert hat und besonders wirtschaftliche Themen spannend findet.

    Von dem Vorurteil, dass die FDP eine Wirtschaftspartei ist, solle man sich nicht abschrecken lassen. So sieht sie Politik als Prozess und betont, dass es von den „alten weißen Männern“ gar nicht mehr so viele gebe. Um gerade Frauen anzuwerben, gibt es einmal im Monat die „Liberale Ladys Night“, wo sich Frauen mit einer liberalen Weltanschauung treffen, um über Politik zu sprechen. „Männer verboten!“

    Wichtig sind Maguhn studentische Themen, wie die Leipziger Fahrradwege, die besonders im Osten der Stadt gefährlich holprig sind und oft zu Unfällen führen. Im Stadtrat will sie „endlich mal was erreichen“ und fordert mehr Präsenz der Leipziger Politiker im Stadtbild. Sie habe einfach einen anderen Fokus und eine andere Zielgruppe im Blick: zum Beispiel kleine Cafés stärken oder die Spätikultur aufrechterhalten. Auf der Eisenbahnstraße gehe sie gern am Wochenende einkaufen: „Es gibt so viele tolle Süßigkeiten und Gewürze.“ Die Waffenverbotszone sieht die Studentin kritisch. „Seit wann halten sich Menschen an Verbote?“, fragt Maguhn. Die Schilder seien sowieso alle überklebt und kontrolliert werden würden nur bestimmte Leute. Viel eher sei das Diskriminierung und der falsche Umgang mit der Einbahnstraße. Sie selbst setze eher auf Bildung, sodass besonders die Rabet-Grundschulen im Fokus stehen sollten und fordert mehr Unterstützung der überforderten Lehrer durch Sozialarbeiter.

    Interessant wird es beim Thema Europa. Sie bezeichnet sich als „stolze Europäerin“, da Europa viel leisten könne, kommt dann kurz ins Schwanken und scheint doch nicht so glücklich über ihre Wortwahl. Sie fragt sich dann, was das überhaupt bedeutet: Stolz. Vielleicht eine Art gemeinschaftliche Zusammenarbeit, die zu gemeinsamen Zielen führe. Rechten Nationalstolz könne sie nicht verstehen und sorgt sich um die Politisierung junger Menschen nach rechts.

    Während wir da so sitzen und reden, findet im Audimax der Universität eine von Studierenden einberufene Vollversammlung statt. Die Gruppe Students for Future setzt sich für mehr Klimagerechtigkeit ein, inspiriert von Fridays For Future, einer von Schülern gegründete Protestgruppe. Maguhn, die stark auf Bildung setzt, ist nicht begeistert, dass die Proteste während der Unterrichtszeit stattfinden. Es hätte einen Einfluss auf die Noten und gebe leicht eine Ausrede für Schulschwänzer, denn Tests müssen so oder so geschrieben werden. Politik könne man auch am Samstagsvormittag machen, appelliert sie.

    Antonia Maghun wirkt sehr souverän, während sie das sagt, aber auch sehr erwachsen. Sie nickt, als ich anmerke, dass sie etwas für mich sehr Gesetztes hat und erklärt, dass ihre Struktur und Planung im Leben sehr wichtig sei. Als größtes Hobby sieht sie ihr politisches Engagement, das ihr sehr wichtig sei. Für einen Job würde sie auch aus Leipzig wegziehen, aber nicht zu weit, da ihr der familiäre Kontakt sehr wichtig ist. Als Kritik bekommt sie oft zu hören, dass sie zu viel redet, aber das störe sie nicht. „Einfach mal machen“, sagt sie. „Sag‘s nicht den Freunden, sag‘s der Welt!“.

    Bis zum 26. Mai laden wir Porträts von Kandidierenden für die Kommunalwahl hoch. Die porträtierten Personen gehören verschiedenen Parteien an; die Artikel werden in zufälliger Reihenfolge veröffentlicht.

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