• Leipzig
  • Raus aus der Wohlfühloase?

    Lisa Bullerdiek

    Matthias Bohlmann tritt für die CDU als Direktkandidat bei der Kommunalwahl an. Der Jura-Student sieht sich als konservativer Politiker, schätzt aber auch den Austausch im linken Umfeld Leipzigs.

    Wenn Matthias Bohlmann nach einer Antwort sucht, lacht er, blickt sich kurz im Café um und setzt zum Sprechen an. „Man sucht sich immer Wohlfühloasen in seinem Leben, aber so eine Erfahrung sollte man auch mal machen.“ Damit meint er sein politisches Engagement und von Erfahrung kann man in seinem Fall wirklich sprechen. Der 23-Jährige ist Referent beim Fachschaftsrat Jura (FSR Jura), Vorsitzender beim Ring Christlich-Demokratischer Studenten Leipzig (RCDS) und tritt in der Südvorstadt (Wahlkreis 4) für die CDU bei den Kommunalwahlen an. Diese Schritte habe er ganz bewusst unternommen: „Als ich ins Studium gegangen bin, habe ich mir vorgenommen, nicht nur mitzuschwimmen, sondern auch nebenbei den Blick über den Tellerrand zu werfen.“ Ist dieser Blick über den Tellerrand gelungen? Er überlegt.

    Meist muss er nicht lange überlegen, um Antworten zu finden. Beim Erzählen liegen seine Hände ruhig auf den Stuhllehnen, während er rasch einen Satz an den anderen reiht. Besonders schnell geht das, wenn er auf die verschiedenen Dinge zurückblickt, für die er sich in den letzten Jahren engagiert hat. Er betrachtet die verschiedenen Etappen, als würde er durch ein Familienalbum blättern. Einerseits sind da die Erinnerungen an die Freude, wenn etwas geklappt hat ─ zum Beispiel der Kompromiss um den Erhalt der Drucker, der durch den FSR Jura erwirkt wurde oder dass der Studiengang Wirtschaftspädagogik wenigstens auf kurze Zeit erhalten bleibt. „Ich freue mich, wenn man ein Ergebnis für andere hat. Das sind die kleinen Erfolge.“ Andererseits erinnert er sich aber auch an mühsame Auseinandersetzungen im StuRa, die ins Leere geführt haben, an Diskussionen, die für ihn keinen Sinn machen. „Wenn eine Stelle frei ist, wird ewig lang diskutiert, ob jetzt eine Frau oder ein Cis-Mann oder was weiß ich sie bekommt, aber die Stelle bleibt unbesetzt. Das kann ich als Konservativer nicht verstehen“, sagt Bohlmann und zieht leicht die Augenbrauen zusammen.

    Trotz allem seien genau solche Konflikte oft am produktivsten. „Diese Reibung und Konfliktfreudigkeit braucht es, um Innovationen zu generieren. Wenn man einen fairen Wettstreit zwischen den Meinungen hat, kann die richtige Lösung gefunden werden.“ Sein fairer Wettstreit folgt bestimmten Regeln. Wenn Bohlmann sie beschreibt, lächelt er und rückt etwas weiter in seinem Stuhl nach oben. „So funktioniert Politik: Man muss auch mal seine Emotionen zügeln können.“ Vorbild ist für ihn dabei zum Beispiel ein anderes CDU-Mitglied: „Bei Philipp Amthor versuche ich, mir ein bisschen was abzugucken. Diese sachliche Art, sich mit Problemen auseinanderzusetzen, erzeugt Respekt. Er zerlegt durch gute Sacharbeit die Fehler der AfD.“  Bohlmann will vernünftige Lösungen für alltägliche Probleme finden und die Beziehung zwischen Bevölkerung und Politikern stärken. Zum Beispiel schätzt er die sogenannten „Denkfabriken“ der CDU, also Bürgergespräche, die von der sächsischen CDU zu verschiedenen Themen organisiert werden. Sowieso, so sagt er, habe er in dieser Partei genau diesen Ort von produktiver Auseinandersetzung und respektvollem Umgang gefunden. „Volkspartei zu sein bedeutet, verschiedene Wählerschichten abzudecken.“

    Als größte Herausforderung für die CDU sieht er die AfD, die von einem falschen Politikerbild und politischen Fehlern profitiert habe. „Man springt im Bundestag über jedes Stöckchen, das die AFD den anderen Politikern hinhält. So können die sich perfekt in ihre Opferrolle zurückziehen.“ Auch den StuRa könne man demokratischer gestalten. Indem man es möglich mache, Direktkandidaten zu wählen, würde man die Wahl transparenter machen und so eventuell die Wahlbeteiligung erhöhen. Wichtig sei es für ihn außerdem, junge und studentische Unternehmen zu fördern und so der Stadt Leipzig langfristigen wirtschaftlichen Erfolg zu garantieren. Orte wie studentische Clubs zu erhalten, sei wichtig, um in Leipzig den Zuzug durch junge Menschen und die kreative Atmosphäre der Stadt zu erhalten.

    Bohlmanns Spielregeln des politischen Miteinanders reichen auch in sein Privatleben. Gerade hier will er „den Blick über den Tellerrand“ wagen. Geboren ist Matthias Bohlmann in Leipzig, aufgewachsen in Ostthüringen und dann zum Studium nach Leipzig zurückgekehrt. Hier war vieles am Anfang neu für ihn. „Ich bin anders geprägt. Ich komme vom Land und da hab ich mich damals schon gewundert, was da für die kritischen Einführungswochen ausliegt und habe mich gefragt, wo die Konservativen und Liberalen sind.“ Zurück zum Altbekannten also? Oder raus aus der Wohlfühloase? Matthias Bohlmann lacht und schaut sich um: „Die besten Diskussionen führt man mit einem Freund, der was anderes wählt, bei einem Bier.“

    Titelbild: privat

    Bis zum 26. Mai laden wir Porträts von Kandidierenden für die Kommunalwahl hoch. Die porträtierten Personen gehören verschiedenen Parteien an; die Artikel werden in zufälliger Reihenfolge veröffentlicht.

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