• Kolumne
  • Das Studium geht zu Ende – und was bleibt?

    Dennis Hänel

    Wenn sich das Studium dem Ende neigt, verklärt die Nostalgie diese Zeit zum Highlight des Lebens. Dabei wird im Bachelor-Sprint, Eigeninitiative kaum belohnt und am Ende zählt nur der Schein.

    Ihr kennt das. Naja, nicht alle, aber zumindest die unter euch, deren Studium sich dem Ende zuneigt oder die es schon hinter sich haben – das Gefühl, dass die „beste Zeit des Lebens“ nun vorbeigeht, schon vorbei ist und danach etwas, was immer als „Ernst des Lebens“ beschrieben wird, kommt. Und auch ich kann mich diesem Gefühl leider nicht ganz entziehen, obwohl mein Jurastudium noch etwas dauern wird. Aber wenn man ziemlich genau fünf Jahre bei dieser Zeitung hier und schon auf der Zielgeraden ist, macht sich schon etwas Ernüchterung breit.

    Wenn ich mich also in Selbstreflexion frage, was hat es mir eigentlich gebracht, fast eine Dekade an der Uni zu verbringen, abgesehen von der fachlichen Ausbildung?

    Der Beginn meines Studiums war von Orientierungslosigkeit, Zweifeln und ständigem Selbstfindungsdilemma geprägt. Später kamen noch Rückschläge, ein kurzzeitiges Lehramtsstudium und eine fast schon filmreife WG-Odyssee hinzu. Frustration ließ nicht lange auf sich warten. Doch aus Frustration entsteht der Wille zur Veränderung und so suchte ich mir die fehlende Motivation und Erfahrung im Engagement bei diversen Hochschulgruppen und Projekten, bei denen ich größtenteils bis heute dabei bin.

    Möhren sind scheiße

    Kolumnist Dennis  schaut auf das, was neben dem Abschluss noch bleibt.

    Fünf Jahre später kennt man am Campus gefühlt jede dritte Person, die Mensakräfte wissen schon, dass du die Wok-Pfanne ausschließlich ohne Soße möchtest und du hast ein nicht gerade kleines Netzwerk an Leuten aufgebaut. Der Lebenslauf ist stabil, genauso wie das eigene Selbstvertrauen. Und du hast natürlich mindestens einen Stammplatz in der Bibliothek, der dir auch von anderen nicht strittig gemacht wird. Also ist eigentlich alles gut, auch dann, wenn Stress und die unausweichliche „Wie lange studierst du eigentlich noch?“-Frage dich hart nervt.

    Klar gibt es „die Anderen“, die ihren Bachelor noch vor dem Frühstück absolviert haben oder schon mit 25 Jahren Volljuristen sind. Gleichzeitig gibt es aber auch nicht wenige, die sich nie gefunden haben und das erst mit Beitritt in den Arbeitsmarkt merken, oder jene, die vom Leistungsdruck gefressen worden.

    Klar hätte ich rückblickend auch einige Dinge anders gemacht, die mich zumindest näher an der Regelstudienzeit gehalten hätten. Doch jeder muss seine Entscheidungen selbst treffen, dazu gehören eben auch mal die Falschen. Natürlich habe ich lange studiert, weiß aber dafür wohin die Reise gehen soll und scheue auch die Risiken nicht, da ich während meines Studiums viel ausprobiert habe, weiß was ich kann und auch was nicht. Und ich hätte zum Beispiel bei dieser Zeitung nicht so viel Erfahrungen sammeln oder interessante Persönlichkeiten kennenlernen können.

    Also habt bitte eine gute Zeit an der Uni, lasst euch nichts von Bedenkenträgern, Zweiflern und den Leuten einreden, die selbst nur über ihr Leben meckern. Schaut nach Erfahrungen abseits der Pflichtfachcollage und geht selbstbewusst aus der Uni heraus. Und traut euch auch mal zu scheitern – denn lieber jetzt als mit 40. So habt ihr am Ende etwas viel Wertvolleres in der Hand als ein bloßes Stück Papier: Das Wissen, dass die „beste Zeit des Lebens“ eben noch nicht vorbei ist.

    Verwandte Artikel

    Exmatrikulationsängste – Hilfe, ich bin fertig mit meinem Studium

    Kolumnistin Anne ist ein Mü davon entfernt, den Endgegner zu besiegen, aber fürchtet sich, das Spiel zu Ende zu spielen. Ein letztes Mal Kolumne. Ein letztes Mal über First-World-Problems jammern.

    Kolumne | 24. Februar 2019

    Über das Kolumnenschreiben

    Kolumnistin Franzi ist sich seit längerem sicher, dass das Verfassen von persönlichen Texten auf direktem Wege zum Weltfrieden führt. Nun leistet sie selbst ihren Teil.

    Kolumne | 16. Dezember 2018