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  • Gigantische Türme auf großer Tour

    Pia Benthin

    Am 19. April erschien „Wild Stare“, das dritte Album der deutschen Band Giant Rooks. Derzeit touren sie damit durch Europa. Ihr 19. Stopp führte sie am Dienstag ins Leipziger Täubchenthal.

    Die Schlange vorm Täubchenthal ist am Dienstagabend gigantisch lang. Die Venue, die rund 1.450 Menschen fassen kann, ist ausverkauft. Die Band Giant Rooks um Frontsänger, Gitarrist und Percussionist Frederik Rabe gründete sich 2014 im nordrhein-westfälischen Hamm. Seitdem machen sie zu fünft Musik – neben Frederik gehören auch sein Cousin und Gitarrist Finn Schwieters, der Schlagzeuger Finn Thomas, E-Bassist Luca Göttner und Jonathan Wischniowski am Piano und Synthesizer zur Band. Vor dem Konzert trafen wir Finn (Schwieters) und Luca zum Interview, um über ihre Musik, die Tour und die neue EP zu sprechen.

    Die EP „Wild Stare“ fasst nur fünf Lieder und ist mit 14 Minuten Länge eher ein kurzes Vergnügen. Seit ihren ersten größeren Erfolgen mit den Songs „New Estate“ und „Bright Lies“ (2017) spielt die Band immer größere Auftritte, tourt jetzt sogar durch Europa. Ein Album gibt es bisher jedoch nicht. Das tut der Stimmung und dem Erfolg keinen Abriss. Letztes Jahr spielte Giant Rooks auf dem Lollapalooza in Berlin, dieses Jahr wird die Band auf dem Melt! und dem Dockville gastieren. Ihre aktuelle Tour führt sie von ihrer Heimatstadt Hamm durch Deutschland und Großbritannien bis nach Italien, Österreich und in die Schweiz. Dass das schon ihr 19. Konzert während dieser Tour ist, merkt man den Musikern nicht an. Die Band gibt alles und wirkt gelassen auf der Bühne.

    Die Band von links nach rechts: Finn Schwieters, Jonathan Wischniowski, Frederik Rabe, Finn Thomas und Luca Göttner

    Vor allem in Großbritannien sind sie bekannt, spielen in London, Liverpool und Leeds. Ihre Musik kann man wohl am besten als Indie-Pop mit Folk Einflüssen bezeichnen. Dass Giant Rooks vor wenigen Monaten noch Vorband von AnnenMayKantereit waren und nun das Täubchenthal füllen, scheint ein komischer Kontrast zu sein. Als sie spielen, bebt die Halle, es ist sehr voll und unglaublich warm. Es mutet nicht an, dass sie nur ein paar EPs rausgebracht haben und aus einem kleinen Ort in Nordrhein-Westfalen kommen. Frederiks rauchige Stimme hallt durch den Raum, die Stimmung ist ausgelassen und es wird viel gelacht. Das ist jedoch schlagartig vorbei, als jemand in der Menge umkippt. Besorgt erkundigt sich der Sänger, es wird Wasser durchgegeben. Vorne stehen die Menschen gedrängt an der Bühne, oben auf der Empore und hinten bis in den Gang sieht man kaum etwas. Wirklich sehr schade, denn dafür sind Konzerte schließlich da. Musikhören kann man überall, aber zu sehen wie junge Künstler Musik machen, das geht nur auf einem Konzert. Es scheint fast ein wenig so, als hätte niemand mit einem so großen Andrang an Fans gerechnet.

    Nach der Show signieren Luca und Finn noch EPs und T-Shirts. Die Giant-Rooks-Tennissocken sind von Beginn an ausverkauft. Die CDs und Poster kann man auf Spendenbasis erwerben. Alles wirkt recht familiär. Hier erkennen die Künstler ihre Fans noch persönlich wieder und man bedankt sich bei den Fans für den tollen Abend. Selbst, wenn die Halle voll ist, wirken sie so nahbar wie die Jungs aus dem Nachbardorf. Schnell vergisst man, dass sie mittlerweile erfolgreiche Musiker sind und durch Europa touren. Darum geht es an dem Abend auch gar nicht, denn heute steht die Musik im Mittelpunkt. Dies sollte vor allem durch die Planung des Events ermöglicht werden: Drängende Fanmassen und das Ringen nach Luft gehören jedoch nicht dazu.

     

    Fotos: privat

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