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  • Reisereihe: Halloren-Kugeln für ein Zimmer in Paris

    Sophia Blochowitz

    Fünf Tage Paris und danach fünf Jahre das Hotelzimmer abbezahlen? Dank Couchsurfing blieb student!-Redakteurin Sophia das erspart – und nebenbei lernte sie sogar das wahre Paris kennen.

    Schonmal vom Paris-Kribbeln gehört? Es stellt sich immer dann ein, wenn ein Aufenthalt in der französischen Stadt kurz bevorsteht. Für mich hat das aber nichts zu tun mit kitschüberladenen Hollywoodfilmen und pinken „Amour et Paris“-T-Shirts. Es ist vielmehr ein Lebensgefühl, das die Atmosphäre dieser Stadt umgibt. Es fängt damit an, morgens mit dem Strom der schicken Pariser durch die Metrotunnel zu eilen, um sich dann in einem der vielen Bistros und Cafés den besten Sonnenplatz zu sichern. Bei einem Café au Lait und einem buttrigen Croissant lässt sich die aufwachende Stadt am besten beobachten. Wenn die Straßen immer voller werden, die Sonne sich langsam über die prachtvollen Häuserfassaden mit ihren dampfenden Schornsteinschloten erhebt und die Menschen auf dem Weg zur Arbeit mit ihrem Kaffeebecher vorbeisprinten, spürt man das Kribbeln tief in der Brust.

    Paris

    Ausblick über die Dächer von Paris (Foto: Sophia Blochowitz)

    Genau deshalb wählten eine Freundin und ich Paris als Semesterferien-Destination. Mit dem FlixBus über Nacht spart man sich ganz studentisch eine Übernachtung und ist noch vor Sonnenaufgang angekommen. Da aber leider nicht nur wir beide gerne durch Paris spazieren möchten, sondern mit uns noch Millionen von Touristen aus aller Welt, sind alle Unterkünfte entsprechend teuer. Doch daran sollte man nicht verzweifeln. Für diejenigen, die auf Zimmerservice und Reisegruppen am Frühstücksbuffet gerne verzichten und lieber lokale Bekanntschaften schließen wollen, ist die Internetplattform „Couchsurfing“ ideal. Dort bieten Einheimische ihre leerstehenden Betten und Sofas zur kostenlosen Übernachtung an. Im Gegenzug bekommen sie gute Gesellschaft und können den Besuchern ihre Geheimtipps der Stadt offenbaren. Nach einiger Suche und regem Kontakt per SMS erklärte sich die Französin Marie bereit, uns beide in ihrem kleinen Apartment ganz in der Nähe des berühmten Friedhofes Père Lachaise aufzunehmen. Ausgerüstet mit Halloren-Kugeln und Schwarzwälder Tannenhonig als Gastgeschenk wurden wir von Marie und Kater Mocca auch sofort herzlich begrüßt. Da sie tagsüber arbeiten musste, entdeckten wir währenddessen die geheimen Ecken von Paris, die sie uns ans Herz legte. Abends saßen wir bei ihr am Küchentisch und unterhielten uns auf Englisch und Französisch über Gott und die Welt. Einmal nahm sie uns sogar mit nach Montmartre, wo wir neben Parisern mit französischem Picknick und Schulklassen, die auf den ausladenden Treppen vor Montmartre peace-lastige Gruppenfotos machten, den Sonnenuntergang bewunderten.

    Barleben

    Wer couchsurft, entdeckt abseits vom Touristenrummel authentische Pariser Ecken (Foto: Dennis Hänel)

    Das Tolle am Couchsurfen ist, komplett in die Stadt eintauchen zu können. Man fühlt sich wie ein waschechter Pariser, wenn man wie selbstverständlich den für Paris typischen Türcode an der Eingangstür des Altbaus eingibt und im engen Treppenhaus sogar von den Nachbarn gegrüßt wird. Dank der Tipps von Marie entdeckten wir im siebten Arrondissement das vornehme Viertel mit den blauen Türen und verborgenen Innenhöfen, in denen ganz bestimmt irgendwelche geheimen Organisationen ihren Sitz haben.

    Und genau da ist es dann wieder, dieses Paris-Kribbeln. Es taucht immer auf, wenn man sich auf diese Stadt einlässt und neue atmosphärische Orte entdeckt. Wenn man sich nicht als Tourist outet, sondern genauso gut Einwohner sein könnte. Und das funktioniert eben am besten, wenn man die Trekkingsandalen und das pinke Paris-Shirt schön im Koffer in Maries kleinem Apartment lässt.

     

    Titelfoto: Dennis Hänel